Kulturtipp
Lichtbildervortrag über Landgraf Philipp von Butzbach und seine Landgrafschaft
Museumsleiter Wolf referiert vor Geschichtsverein und Bund für Volksbildung
Der Butzbacher Museumsleiter Dr. Dieter Wolf wird am Donnerstag, 5. Febr. 2009, um 20.00 Uhr, im Katholischen Gemeindehaus Gemeindehaus, Am Bollwerk, einen mit Lichtbildern unterlegten Vortrag über Landgraf Philipp von Hessen-Butzbach und seine kleine Landgrafschaft halten. Der Vortrag wird vom Geschichtsverein Butzbach und dem Bund für Volksbildung veranstaltet. Er dient gleichsam als Vorbereitung für weitere, in diesem und nächsten Jahr geplante Gedenkveranstaltungen über Philipps Regierungsantritt vor 400 Jahren.
Bekanntlich war das Residenzschloss Butzbach zunächst die einzige repräsentative Wohnung des 1581 geborenen, 1643 verstorbenen Fürsten. Hier war zunächst noch sehr viel zu tun. Der "Alte Hauptschlossbau" erhielt mit dem völlig ausgebrannten und nun neu eingerichteten "Neuen Bau" (heutiger Mittelbau) einen gleichwertigen Bruder. Allerdings ließ Philipp sich später in der Abgeschiedenheit des Isseltals versteckt ein Pest- und Fluchtschloss bauen, das nach ihm benannte und von ihm geplante Philippseck bei Münster, in der auch die Untertanen des Landgrafen aus den umliegenden Dörfern im Notfall Zuflucht finden konnten.
Astronomen, Astrologen, Physiker, Mathematiker, Architekten, Theologen, Musiker, Komponisten und Poeten besuchten den außerordentlich gebildeten Landgrafen, einen wissenschaftlich besonders begabten und hoch interessierten Mann, der acht Sprachen sprach und lieber Wissenschaftler als Regent geworden wäre. Bei der Gründung der hessen-darmstädtischen Landesuniversität in Gießen 1607 war der Lutheraner Philipp mit an führender Stelle und förderte zeitlebens diese Einrichtung, auch nach dem kriegsbedingten Umzug nach Marburg.
Der Landgraf beherrschte die spanische, italienische, ungarische und französische Sprache, weiter lateinisch, griechisch, hebräisch und chaldäisch. So übersetzte er auch zusammen mit seinem Hofprediger das Alte und Neue Testament aus den Ursprachen. Religiös und politisch war er in Zeiten des 30jährigen Krieges sozusagen ein lutherischer "Hardliner".
Die oftmals mit großer Raffinesse ersonnenen Ausstattungsstücke des Schlosses und besonders der große Lustgarten wurden überregional zur Kenntnis genommen und gelobt. Sie fanden weit und breit nicht ihresgleichen. Wohl wegen der Planung des Lustgartens und dessen weiterem Ausbau stand er mit Joseph Furtenbach dem Älteren in enger Verbindung, dem führenden europäischen Gartentheoretiker der Zeit, den er seit seiner Italienreisen kannte und der später in Ulm wirkte. Der berühmte kaiserliche Astrom Johannes Kepler war wiederholt Gast des Landgrafen. Kepler interessierten in Butzbach besonders die außergewöhnlichen Geräte in Philipps Sternwarte und die wissenschaftlichen Ergebnisse des Hofmathematikers und -astronomen, seines Jugendfreundes Dr.med. Daniel Mögling, außerdem auch die finanzielle Unterstützung des Landgrafen für die anstehenden Druckwerke. Den Kontakt zu Daniel Mögling erhielt der Fürst über den Ulmer Rechenmeister und Festungsbaumeister Johannes Faulhaber, der auch aufgrund seiner enormen mathematischen Fähigkeiten als "der deutsche Archimedes" bezeichnet wird. Zu diesem aus dem Schwäbischen kommenden Freundes- und Kollegenkreis gehörte auch der Allround-Gelehrte Prof. Dr. Wilhelm Schickard zu Tübingen, der für Keplers Logarithmenberechnung die erste europäische Rechenmaschine erfand. Schickard, der u.a. auch als "Vater der württembergischen Landesvermessung" gilt, stand über Jahre in engem Briefkontakt mit dem Butzbacher Hof, mit Daniel Mögling und dem Landgrafen. Er machte auf günstige Erwerbungsmöglichkeiten für alle möglichen wissenschaftlichen und praktischen Gegenstände aufmerksam oder empfahl ihren Kauf. Der Landgraf stattete das wieder hergerichtete Schloss prächtig aus und erweiterte es.
Vor genau 400 Jahren wurde die kleine Landgrafschaft Butzbach gegründet. Am Donnerstag Abend wird Dr. Dieter Wolf einen auf den neuesten Stand gebrachten Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Landgrafen, seiner Verwandten, Bediensteten und Freunde, über die in Butzbach einst vorhandenen, hoch gepriesenen baulichen und technischen Anlagen sowie die kulturellen "Highlights" dieses Fürsten und seines kleinen Hofes mitten im 30-jährigen Krieg zu geben.
<- Zurück zu:


