Betreuung und Aufbau des Weidig-Forschungsarchivs
Dr. Friedrich Ludwig Weidig (1791-1837), Pädagoge und Theologe, Turner und Politiker, kam für seine demokratische Überzeugung als Oppositioneller ins Darmstädter Gefängnis und starb dort an den Folgen eines unmenschlichen Untersuchungsverfahrens. Als Lehrer und Kulturschaffender prägte er über Jahrzehnte nachhaltig seine Heimatstadt Butzbach (Oberhessen). Weidig und seine Schüler waren eng mit der oberhessischen demokratischen Freiheitsbewegung des Vormärz bzw. der Revolution von 1848/49 verbunden. Besondere Bedeutung erlangte Weidig als Herausgeber und Mitverfasser der mit dem Namen Georg Büchner verbundenen berühmten sozialrevolutionären Flugschrift Der Hessische Landbote (1834).
Die Stadt Butzbach bemüht sich insbesondere durch die Einrichtung des 1986 gegründeten "Weidig-Forschungsarchivs" an ihrem Stadtarchiv und Museum, die vorhandenen Lücken durch die Sammlung und allmähliche Aufarbeitung möglichst aller Textquellen zu Weidig und seinem Umfeld zu verringern. - Die Gründung erfolgte aufgrund des Grundsatzbeschlusses der Butzbacher Stadtverordnetenversammlung vom 2. Juni 1986.
Aufbauend auf den seit langem im Butzbacher Museums- und Archivbesitz befindlichen Original-Objekten zu Weidig und seinen Schülern konnte der Bestand an Originalstücken seit 1986 erheblich vergrößert werden. Die themenbezogenen Bibliotheksbestände wurden besonders durch den Erwerb der "Sammlung A.W. Heil" (siehe unten) erheblich erweitert. Das Weidigarchiv soll außerdem die verschiedenen Arbeitsvorhaben zu Weidig und seinem Schüler- und Mitarbeiterkreis inner- und außerhalb Butzbachs unterstützen und miteinander koordinieren.
Zu den Sammlungen des Weidig-Archivs gehört der umfangreiche, sich kontinuierlich erweiternde Dokumentationsbestand, der Grundlage für die Ausrichtung von zwei großen Weidig-Ausstellungen (1987 und 1991) und die Herausgabe eines Buches zu Weidig (1991) durch die Stadt Butzbach war. Originale Papier-, Holz- oder Textilbestände, Abbildungen verschiedenster Art und zahlreiche Archivalien als Original oder Reproduktion sind neben den Graphiken der "Sammlung A. W. Heil" Hauptbestandteil des Forschungsarchivs. Dazu gehört auch die Briefesammlung des Weidig-Schülers und -Mitarbeiters und Freundes von Georg Büchner Wilhelm Braubach aus Butzbach. Weltbekannt ist daraus auch der im Butzbacher Weidig-Forschungsarchiv aufbewahrte Originalbrief Georg Büchners an Wilhelm Braubach.
Betreuung der "Sammlung Heil"
In den letzten Jahren ist auch die sogenannte "Sammlung Heil" über Butzbach hinaus bekannt geworden, die im wesentlichen von dem Butzbacher A.W. Heil (1871-1952) selbst zusammengetragen wurde. Bereits in den letzten beiden Jahrzehnten fiel der Name der im Besitz der Butzbacher Familie Heil befindlichen Sammlung als "Geheimtip" dann, wenn hessische Fachleute zu den Gebieten "Vormärz", zum Büchner-Weidig-Kreis und zur "Revolution 1848/49" arbeiteten, wenn nach besonders seltenen Druckschriften oder politischer Druckgraphik aus dem erwähnten Zeitraum gesucht wurde.
Fachleute vermuten, daß es sich bei dieser bis 1989 im Butzbacher Familienbesitz befindlichen Bibliotheks- und Graphiksammlung "um die bedeutendsten Bestände politischer Druckgrafik zum deutschen Vormärz und zur Revolution 1848/49, an hessischen Zeitungen, an sozialgeschichtlicher sowie insbesondere an Literatur und Quellen zum Weidig-Büchner-Kreis" [so der bekannte, hochverdiente Marburger Büchner-Forscher Dr. Thomas Michael Mayer (Georg Büchner Gesellschaft e.V. und Forschungsstelle Georg Büchner - Literatur und Geschichte des Vormärz im Institut für Neuere deutsche Literatur der Philipps-Universität Marburg) 1989 in seiner ausführlichen gutachterlichen Stellungnahme über die Bedeutung der "Sammlung Heil"] handelte, die sich bis zum Kauf durch die Stadt Butzbach noch in Privatbesitz befand. [Der Erwerb der "Sammlung Heil" durch die Stadt Butzbach wurde bereits von den Initiatoren des Weidig-Archivs (Prof. Dr. H. Braun, B. Heil, Dr. W. Heil, W. Meyrahn - für den Butzbacher Geschichtsverein, Stadtarchivarin E. Johann, Dr. Th. M. Mayer und H.-J. Müller) bei den Vorbereitungen der am 4. 2. 1986 fertiggestellten "Denkschrift zur Einrichtung eines Weidig-Archivs in Butzbach" diskutiert. Die Forderung des Erwerbs der Sammlung wurde schließlich aus verschiedenen Gründen nicht in den programmatischen Entwurf mit aufgenommen, wenn auch die Notwendigkeit dieses Erwerbs außer Zweifel stand.]
Die durch A.W. Heil zustandegekommene Sammlung besteht in ihrem an die Stadt Butzbach veräußerten Kern aus etwa 2.500 Bibliothekarien und ca. 830 graphischen Einzelblättern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu den 830 Graphiken auf Einzelblättern treten etwa 300 Druckgraphiken in Büchern, so daß hier immerhin mehr als 1.000 Druckgraphiken allein zur Vormärzzeit und vor allem zur Revolution 1848/49 zusammengetragen wurden.
Anfragen vor allem aus dem deutschen Sprachraum erreichen das Butzbacher Weidig-Archiv. Weidig- und Büchner-Forscher besuchen inzwischen regelmäßig das Butzbacher Weidig-Forschungsarchiv oder bitten um Auskunft und Amtshilfe.

