Rückblick auf zehn Jahre Open Air Kino in Butzbach
Kinomacher Ralf Bartel erinnert sich: „Als wir 1998 zusammen saßen und die Idee entwickelten, war uns klar, dass das Landgrafenschloss als Mitte der Stadt eine Riesenchance darstellt. Ein Ziel war es dazu beizutragen, dass der Schlosshof zur „guten Stube“ unserer Stadt wird.“ In Zusammenarbeit mit der Stadt Butzbach – namentlich der damalige Bürgermeister Oswin Veith, Kulturamtschefin Rita Herth – und Günter Neubauer, dem damaligen Geschäftsführer der Landgrafenschloss Butzbach GmbH, erarbeiteten die beiden Kinomacher ein Konzept für das Schlosshof-Open Air.
Samstag, 7. August 1999, ein warmer Sommerabend: „Shakespeare in Love” eröffnet das erste Open Air-Kino im Butzbacher Landgrafenschloss. Hier, wo vor Jahrhunderten der hessische Landgraf Philipp von Hessen-Butzbach residierte, wo vor Jahrzehnten US-Soldaten marschierten, kehrt auf einmal neues Leben ein. Das Schloss ist auf einmal nicht mehr die alte Kaserne, sondern das Schloss, „wo das Kino ist.“ 400 Zuschauer besuchen die Premiere, 3000 Gäste sind es im ersten Kinosommer insgesamt. Sonnige Tage sind in der ersten Saison die Ausnahme. Passend zum Film „Titanic“ gießt es am Abend wie aus Eimern, 90 tapfere Zuschauer harren aus und sehen das Drei-Stunden-Epos trotz strömenden Regens – was den Filmabend aber zu einer wahren „Legende“ gemacht hat. „Von dem 'Titanic'-Abend erzählen heute nicht 90, sondern in Summe wesentlich mehr, dass sie an diesem doch einmaligen Abend im Schlosshof dabei gewesen sind“, weiß Kinomacher Ralf Bartel. Der Regenabend steht aber auch symbolisch für das finanzielle Risiko, das eine solche Großveranstaltung Jahr für Jahr mit sich bringt. Denn das Open Air-Kino steht und fällt immer mit dem Wetter. „Dieser Tatsache waren wir uns bewusst“, so Ralf Bartel. „Die Entwicklung des Open Air-Kinos mussten wir auf einen langen Horizont hin sehen – und eben nicht von Jahr zu Jahr. Ohne diesen Ansatz hätten wir die ersten beiden Open Air-Jahre 1999 und 2000 mit Regen und Kälte nicht überstanden. Die darauf folgenden Jahre haben uns dafür belohnt. Nach den Sommern der vergangenen Jahre, die eher durchwachsen waren, hoffen wir natürlich zum 'Zehnjährigen' auf einen tollen Sommer wie im Jahr 2003.“
Mittlerweile besuchen bis zu 2400 Zuschauer das Open Air-Kino pro Abend, um die schönsten Filme des Jahres zu sehen. Das Programm ist eine bunte Mischung aus aktuellen Filmen der Sommersaison, Blockbustern der vergangenen Monate, ausgewählten Programmkino-Produktionen und auch „Geheim-Tipps“ der Kinomacher, die weit vor dem Start des Open Air-Kinos auf Filmmessen und Festivals wie der Berlinale gesichtet und für die 120 Quadratmeter große Leinwand im Landgrafenschloss verpflichtet werden.
Die ist zum Start 1999 gerade mal halb so groß wie heute – und auch im Schlosshof selbst geht es noch beschaulich zu: 500 Stühle stehen auf dem Platz, aus einem Anhänger heraus wird der Film auf die Leinwand projiziert. Im Jahr 2000 gibt’s zur deutschen Produktion „Crazy“ hohen Besuch: Nach Butzbach angereist kommen Produzent Thomas Wöbke und die Hauptdarsteller Tom Schilling und Joseph Bolz, um ihren Film dem Publikum persönlich vorzustellen. Über 600 Besucher sind trotz strömenden Regens da. Seither sind Filmschaffende wie Regisseure, Produzenten und nicht zuletzt bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler regelmäßig beim Open Air-Kino zu Gast: Nora Tschirner kommt zur „Kebab Connection“, Simon Schwarz zu „Adam und Eva“ und Fußball-Weltmeister Horst Eckel im Jahr 2004 zum „Wunder von Bern“.
Im Jahr 2001 erlebt das Open Air-Kino einen großen Besucherzuwachs, von 4000 Besuchern im Jahr 2000 auf über 10.000 Kinogänger. Mit der Deutschlandpremiere von „The Mexican“ mit Julia Roberts und Brad Pitt in den Hauptrollen wird mit 1.763 Besuchern ein neuer Rekord aufgestellt. „Diese Besucherzahl hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt“, erinnert sich Michael Krause. „Zum einen wegen der erfolgreichen Premiere, zum anderen wegen der „Geschichte dahinter“: Denn die Kopie zum Film war kurzerhand nicht verfügbar, so dass der Verleih einen Tag zuvor eine neue Filmkopie herstellen ließ. Diese wurde dann von einem Mitarbeiter des Verleihs am Tag der Premiere von München nach Butzbach gefahren – und konnte am Abend über die Leinwand im Schlosshof laufen!“
Nicht nur das Open Air-Kino wird von Jahr zu Jahr größer, auch das Landgrafenschlossgelände wächst und verändert sich. Grünanlagen und Lustgarten kehren auf das historische Gelände zurück, der Schlosshof wird neu angelegt, Wohnungen und Häuser entstehen am Schlosspark. Bis zum Sommer 2002 findet das Open Air-Kino zuweilen in einer „Großbaustelle namens Landgrafenschloss“ statt, erinnert sich Ralf Bartel. Als im September 2002 das Schloss als neuer Sitz der Stadtverwaltung eingeweiht wird, bekommt das Open Air-Kino richtige Gastgeber – insbesondere die städtischen Angestellten, die im Sommer während der Kinosaison von ihren Arbeitszimmern im Mittelflügel nicht mehr auf den Schlosshof, sondern „nur noch“ auf die Leinwand schauen können, die am Gebäude befestigt ist. Nach vier Open Air-Jahren im Schlosshof gibt es im Frühjahr 2003 eine offizielle Auszeichnung für das Event: den Kultur-Sonderpreis des Magistrats der Stadt Butzbach.
Der Sommer 2003 geht als der „Jahrhundertsommer“ in die Chroniken ein – auch in die des Open Air-Kinos. Denn mit über 16.000 Besuchern ist die Saison 2003 die bislang erfolgreichste. „Goodbye, Lenin!“ stellt mit 2300 Besuchern einen neuen Rekord auf. Im Schlosshof haben sich über 40 Trabbis positioniert: Im Rahmen einer Wette zwischen Kino und Stadt wird die von den Kinomachern geforderte Anzahl von 25 Trabbis noch übertroffen. Damit ist eine beeindruckende Kulisse für den Ostalgie-Streifen geschaffen. Der Wetteinsatz: eine kostenlose Vorstellung von „Sonnenallee“ auf dem Butzbacher Marktplatz am 3. Oktober im gleichen Jahr – zu der rund 1000 Besucher kommen.
In diesem Sommer – 9 Jahre und 120 Filme später – feiert das Open Air-Kino unter Butzbachs Sternenzelt sein zehnjähriges Bestehen – und das Landgrafenschloss wird wieder zum größten und vielleicht schönsten Kinosaal Hessens, in dem in diesem Jahr der 100.000 Besucher begrüßt werden wird! Neben dem attraktiven Programm mit Filmen wie „Sex and the City“, „Hancock“ mit Will Smith, den Vorpremieren von „Mamma Mia!“, „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ und „So ist Paris“ sind auch wieder viele Partner und Sponsoren mit dabei, die das Open Air-Kino bereits seit Jahren unterstützen und seit Anfang an gewillt sind, dieses auch weiter zu entwickeln. „Kontinuität und Verlässlichkeit sind die Grundpfeiler jeder Erfolgsgeschichte. Dass mit der Stadt Butzbach und der Landgrafenschloss Gesellschaft sowie den Hauptpartnern Volksbank Butzbach und der Licher Brauerei nach zehn Jahren noch das Gerüst vom Anfangsjahr Bestand hat, verpflichtet uns zu großem Dank“, stellt Ralf Bartel fest.
Auch sie werden zusammen mit allen anderen Sponsoren in diesem Jahr das „Zehnjährige“ feiern. Ebenso wie die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die in den vergangenen neun Saisons so etwas wie das Gesicht und die Persönlichkeit des Open Air-Kinos geworden sind. Und sich unabhängig von Sonne, Regen, Kälte und Hitze Jahr für Jahr aufs Neue um die Veranstaltung und ihre Besucher gekümmert haben. „Schön ist auch, dass wir mit der Sendewoche zum Open Air-Kino, der Zusammenarbeit mit Radio WeWeWe, dieser Saison quasi die Krone aufsetzen können“, so Ralf Bartel – das Veranstaltungsradio begleitet das Jubiläum mit einem Radioprogramm.



