15.11.2017

Herzlichkeit, Heiterkeit und Freundschaft zwischen Butzbach und Teplá

Mittlerweile schon zum dritten Mal waren Gäste aus Teplá zu Gast zum Katharinenmarkt. Im Mittelpunkt des Besuches stand die Vertiefung der Beziehungen zum Ortsteil Wiesental, wo sich in der Nachkriegszeit viele Vertriebenen ansiedeln konnten.

Gäste aus Teplá und die Betreuerinnen des Heimatkreises Tepl/ Petschau auf der Burg Münzenberg: v.l.n.r. Vize-Bürgermeister Martin Klepal, Hildrun Barthlme, Bürgermeister Karel Hermann, Übersetzerin Vera Mikova, Stadtrat Karel Krehky, Ludvic Polacek, David Scheinherr, Übersetzerin Karla Kunesova, Gudrun Barthlme und Dusan Benc.

Im Blick zurück lässt sich der Erfolg der Begegnung ermessen: 1946 erfolgte die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Tepl. Butzbach übernahm 1954 die Patenschaft über die Vertriebenen an Stadt und Stift Tepl.  Über viele Jahrzehnte war der Kontakt leidlich vorhanden und brach letztlich ab. 2013 wurde die völlige „Sendepause“ zwischen Teplá und Butzbach beendet, als vorsichtige Annäherungen vom tschechischen Teplá aus gesucht wurden und in Butzbach auf Wohlwollen und offene Ohren trafen. Vorsichtig fand eine Annäherung in kleinen Schritten statt.

Voraussetzung zum Miteinander ist und bleibt dabei die Auseinandersetzung mit der schweren Vergangenheit, die beide Seiten belastet. Trotz Bürgermeisterwechsel 2014 in Teplá, der für jede Stadt einen Einschnitt markiert, wurden die Bestrebungen zum Miteinander vom neuen Bürgermeister Karel Hermann mit viel Umsicht, Mut und Beherztheit weitergeführt. Die Bürgermeister in Butzbach und Teplá sowie auch die beteiligten Vereine zogen an einem Strang: Die Aufarbeitung der Geschichte war erfolgreich. 2015 sprach Museumsleiter Dr. Wolf im Museum vor Gästen aus Butzbach und Tschechien „Zu Teplá und Butzbach- Zur Geschichte der Heimatvertriebenen in alter und neuer Heimat“ und 2016 konnte der engagierte  und leidenschaftliche Tepler Amateurhistoriker Ludvic Polacek im Butzbacher Museum die Ausstellung „Geschichte des Tepler Landes in Fotos und Dokumente 1860-1960“ präsentieren.

Würdigung der weiter ausgebauten erfolgreichen Beziehungen

Was für Jahrzehnte undenkbar schien, wurde möglich. Als eine Butzbacher Delegation Teplá 2016 besuchte, öffneten Tepler die Häuser, die einstmals Vertriebene verlassen mussten. Ein großer Schritt und eine große versöhnliche Geste. Über Jahrzehnte war ein mögliches Zusammentreffen immer mit viel Angst und Schmerz besetzt, ja gefürchtet  – auf beiden Seiten. Aber beide Seiten zeigten den guten Willen und wollten das Miteinander. Treffend formulierte es Bürgermeister Karel Hermann beim Besuch in Wiesental: „Als wir uns damals zum ersten Mal trafen, hat wohl niemand von uns geahnt, was in nur drei Jahren aus einer Begegnung nur einiger Vertreter von zwei Städten noch dazu Hunderte von Kilometern entfernt, hervorgehen kann…. Es ist wohl eine große Wahrheit, dass man das Unrecht zwischen Völkern und zwischen den einzelnen Menschen aufarbeiten und vergehen lassen muss. Nicht weil es vergessen werden sollte, eher umgekehrt, damit es verschmerzt werden kann. Wir hatten wohl viel Glück, genügend Zeit gehabt zu haben, wir leben in einem Teil der Welt, wo es schon über 70 Jahre Ruhe und Frieden gibt.“ Und weiter: „Es gibt auch Leute, die haben ihre Vorfahren auf beiden Seiten, zu denen gehört auch meine Familie. Ich möchte nicht zwischen meinen Großmüttern auswählen, ich habe sie beide lieb gehabt.“ In wunderbarem Einklang waren denn auch Bürgermeister Michael Merle, die Wiesentaler Ortsvorsteherin Sabine Rothermund, Ehrenortsvorsteher Horst Mauder und Hildrun Barthlme von Heimatkreis Tepl/ Petschau, Hans Möller vom Vereinsring Butzbach, die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Christine Borchers-Fanslau und die Wiesentaler Gäste als Hermann schloss: „Ich denke, dass unter uns etwas geschehen ist, auf das wir stolz sein können….!  Als freundschaftliche Geste hatten auch Wiesentaler in ihre privaten Häuser eingeladen und  freuten sich über die herzliche Begegnung.

Für den zweieinhalb tägigen Aufenthalt standen auf dem Rahmenprogramm neben dem Besuch des Katharinenmarktes, die Besichtigung des Wahrzeichens der Wetterau, die Burg Münzenberg, eine Führung durch die Kelterei Müller mit Besuch der Straußwirtschaft, der Besuch des Folktanzballs in Griedel und der Tepler Heimatstube. Wie sagte es Karel Hermann bei der Eröffnung des Katharinenmarktes: „Es gibt gewiss bekanntere Orte als die Stadt Teplá, aber in Tepl haben Sie Freunde.“ Im nächsten April soll die Geschichte in Wiesental zum Ortsjubiläum weitergeschrieben werden.