27.04.2017

Butzbach und die Reformation am 30. April

Am 30. April um 14.30 Uhr bietet die Stadt Butzbach eine Führung zum Thema „Butzbach und die Reformation“ an. Treffpunkt ist am Marktbrunnen. Die Historikerin Monika Gniffke führt dabei zu den Stätten der Reformation und Gegenreformation in der historischen Butzbacher Altstadt. 

In diesem Jahr feiert die evangelische Christenheit das 500jährige Jubiläum der Reformation.

Der Augustinermönch Martin Luther begehrte mit seinen Worten und den berühmten 95 Thesen, die er in Wittenberg an die Schlosskirche schlug, auf gegen den ausufernden Handel mit Ablassbriefen zur Vergebung der Sünden. Dabei  stellte er jedoch auch die allgemeine Kirchenordnung und Liturgie in Frage und nannte die  brodelnden Problemen innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft beim Namen.

In der Person des zweifelnden Luther und der mangelnden Antwort der katholischen Kirche auf die drängenden Fragen der Gläubigen manifestiert sich  das zentrale Problem des 15. und 16.Jahrhunderts: Die alte Welt ist zeitgleich mit der Entdeckung Amerikas aus den Fugen geraten, das klassische Gesellschaftssystem aus Adel, Geistlichkeit und Bauernschaft gerät einmal mehr in Schieflage. Neue Eliten, wie Kaufleute, Bankhäuser, Wissenschaftler und Städte drängen hervor und sind nötig, um die Ressourcen der Neuen Welt, z.B. Edelmetalle, Bodenschätze, neue Nahrungsmittel  effektiv und gewinnbringend zu vermarkten. Neue Mächte wie Portugal oder die Stadtstaaten, z.B. Venedig, spielen im Konzert der Mächtigen mit, das Mittelalter ist vorbei.

Kaiser und Papst sind fern, die Kirche als letzte Autorität hat keine Lösung für die Gläubigen, die nach Freiheit und Teilhabe  am Wohlstand verlangen. Martin Luthers Schriften von 1521 nähren hingegen den Boden nach Reform und Neuorientierung von Kirche und Gesellschaft.

So war es natürlich überall im Reich, aber was hat das speziell mit Butzbach zu tun? Im Gegensatz zu den kleineren Städten, die Luther im Rahmen seiner vielen Reisen besuchte, war das bekannte und wohlhabende Butzbach nie Ziel seiner Reisen. Dabei wurde hier in Butzbach die Basis für Martin Luthers theologische Ausbildung gelegt, die Lateinschule, die er in Magdeburg besuchte, wurde von den Brüdern vom gemeinsamen Leben geführt, die u.a. in Butzbach mit Gabriel Biel ein Fraterhaus unterhielten. Fast alle Butzbacher Studenten jener Epoche studierten in Wittenberg oder Erfurt Theologie, kannten also den Namen und die Worte Martin Luthers. Ist das der Nährboden, auf dem Butzbach so früh lutherisch werden konnte?

Tickets für die Führung können am Marktplatz 1 in der Tourist- Information erworben werden. Die Öffnungszeiten sind: Montag, Mittwoch und Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr, und 14.00 bis 17.00 Uhr. Dienstag von 8.00 bis 16.00 Uhr und Donnerstag von 8.00 bis 18.00 Uhr. Am Wochenende ist jeweils von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.