22.03.2018

Butzbacher Delegation nimmt Kontakt zur katholischen Gemeinde in Saint-Cyr auf

Anfang März besuchte eine städtische Delegation unter der Leitung von Bürgermeister Michael Merle die französische Partnerstadt Saint-Cyr-l’Ecole. Neben Vertretern von Magistrat und Stadtverwaltung nahmen auch Pfarrer Eberhard Heinz und Dietmar Gillmann von der katholischen Gottfrieds-Gemeinde an der Fahrt teil. Das Ziel der Delegationsmitglieder war es, Kontakte zur französischen katholischen Gemeinde Saint Julitte in der Partnerstadt aufzunehmen.

Ein durchaus ungewöhnlicher Wunsch, wenn man bedenkt, dass in Frankreich seit 1905 Staat und Kirche strikt getrennt sind. Frankreich ist ein laizistischer Staat. Die strenge Trennung von Staat und Kirche ist seit 1958 auch in der Verfassung der Fünften Republik im ersten Artikel verankert. Der Laizismus umfasst aber auch das Gebot der Gleichheit und des Respektes gegenüber allen Religionen und die weltanschauliche Neutralität des Staates. Im französischen Alltag bedeutet es, dass der Staat keinen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen gestattet, er verbietet das Tragen von religiösen Symbolen in den Schulen, der Staat zieht für die Kirchen keine Kirchensteuer ein und die Kirchen haben auch keinen Sitz in den Rundfunkräten. In Frankreich finanzieren sich die Kirchen ausschließlich über Spenden. Auch der Bau von Kirchen ist seit 1905 nicht mehr die Aufgabe des Staates. Für Kirchen, die vor 1905 entstanden, übernimmt der Staat allerdings die Kosten der Erhaltung.

Empfangen wurde die Butzbacher Delegation von Abbé Pierre-Hervé Grosjean, der Sie zunächst in die modern gestaltete Kirche führte, die 1945 zerstört war und 1954 wiederaufgebaut wurde. Von den ca.

20 000 Einwohnern in Saint- Cyr praktizieren ca. 1000 Personen aktiv den katholischen Glauben, darunter viele junge Familien. Auch in Saint-Cyr verzeichnet man eine zunehmend wachsende muslimische Gemeinde, mit der man aber nicht in Kontakt steht. Zum Bürgermeister Bernard Debain hat man guten Kontakt, er ist in der katholischen Gemeinde beratend tätig und hatte auch zum Treffen eine städtische Vertreterin aus dem Finanz- und Wirtschaftsbereich der Stadt,  Olga Kahald, entsandt. Pfarrer Grosjean betonte die sehr guten Beziehungen zur Stadt. Die Gedenkfeiern, die im Zusammenhang mit dem „Grande Guerre“ und auch dem 2. Weltkrieg stehen, begehen die Stadt Saint-Cyr mit der Gemeinde Saint Julitte gemeinsam.

Wie Abbé Grosjean ausführte, besteht der katholische Gemeinderat der Partnerstadt aus zwölf Personen, die je zur Hälfte von Gemeindemitgliedern  gewählt und vom Pfarrer ernannt werden. Wie in Deutschland auch, ist der Verwaltungsrat u.a. für den Gebäudeerhalt zuständig. Der Pfarrerwechsel vollzieht sich alle sechs bis sieben Jahre. Für Pfarrer Grosjean bedeutetet es, dass er nur noch ein Jahr in Saint- Cyr tätig sein wird. Pfarrer Heinz würde gern die beiden Gemeinden zueinander bringen und wird sich bemühen, eine französisch sprachige Kontaktperson zu finden. Grosjean fragte, ob eine Eingliederung eines seiner Gemeindemitglieder in das Comité de Jumelage möglich wäre, um einen Anschluss an die Aktivitäten der Stadt zu finden. Alain Iturralde, der Schatzmeister des Comités und wichtige Kontaktperson nach Butzbach, zeigte sich offen für den Vorschlag und möchte diesen in das Comité einbringen. Abbé Grosjean wird seinem Gemeinderat den Wunsch der Butzbacher Delegation übermitteln.

Herzlich willkommen hieß man die Delegation im Rathaus von Saint-Cyr und Alain Iturralde vom Comité de Jumelage ließ es sich nicht nehmen, den Gästen die Schönheiten der Metropole Paris zu zeigen. Im Mittelpunkt standen die berühmten katholischen Kirchen: Sacré Coeur, die mit dem byzantinisch anmutenden Chor wie auch durch ihre Lage auf dem 130 m hohen Montmartre Hügel, mit einem wunderbaren Blick über Paris besticht.  Notre Dame, wo die Delegation das Glück hatte, die Präsentation der Reliquie der Dornenkrone Christi mit Ehrenwache zu erleben, wurde besichtigt  und ebenso die sagenhaft schöne Sainte Chapelle, die Ludwig IX. ehemals für die Aufbewahrung der Passionsreliquien erbauen ließ. Dass an dem grauen Regentag dann gerade während des Besuches der Sainte Chapelle die Sonne durchbrach und die mittelalterlichen Fenster ins rechte Lichte rückte, veranlasste den hocherfreuten Pfarrer Eberhard Heinz zu der Bemerkung: „Lesen Sie nicht in den Merkblättern zur Kapelle, sondern nehmen Sie das wunderbare Licht dieser kostbaren Fenster in sich auf.“

Die Mitglieder der städtischen Delegation mit Pfarrer Pierre Hervé Grosjean in der Mitte.
Das regnerische Wetter konnte das Erlebnis auf dem Montmartre-Hügel nicht schmälern. V.l.n.r.: Arlette Barré, Pfarrer Eberhard Heinz, die Stadträte Ilka Thum und Rainer Burk, Stadtverodnetenvorsteher Dr. Matthias Görlach, Bürgermeister Michael Merle sowie Oliver Leuschke von der Stadtverwaltung, Alain Iturralde und katholischen Gemeinderat Dietmar Gillmann.