02.02.2018

Delegation besucht Teplá und Eilenburg

Eine Delegation aus Mitgliedern  des Magistrates, der Stadtverwaltung sowie des katholischen Pfarrgemeinderates Sankt Gottfried, angeführt von Bürgermeister Michael Merle und Pfarrer Eberhard Heinz, besuchte unlängst Teplà  in Tschechien und  die Partnerstadt Eilenburg.

Die Reise hatte den Abschied, des demnächst in Ruhestand gehenden Pfarrers Eberhard Heinz zum Anlass. Sein Wunsch ist es, die katholische Gemeinde St. Gottfried mit den katholischen Gemeinden der Partnerstädte zu verbinden. Die französische Partnerstadt Saint-Cyr-l’Ecole und  Collecchio in Italien sind mehrheitlich  katholisch geprägt. Teplá, für die die Stadt Butzbach die Patenschaft über die Vertriebenen seit 1954 angenommen hat, ist durch die Gründung des Prämonstratenser Stiftes ein besondere Anziehungspunkt.

Der Besuch beim Abt Filip Zdenek Lobkowicz im  Prämonstratenser Stift Teplá   war zunächst das besonderes Anliegen der Reisenden. In großer Runde mit dem Abt, mit Teplás Bürgermeister Karel Hermann und Vizebürgermeister Martin Klepal stellte Pfarrer Heinz  die katholische Gemeinde Butzbach vor und betonte das Patronat des heiligen Gottfried von Cappenberg, der ebenfalls Prämonstratenser  war und dessen Patronatsfest man erst am 13. Januar gefeiert habe. Im hiesigen nahegelegenen Kloster Ilbenstadt befinde sich das Grab des Gottfried von Cappenberg. Pfarrer Heinz berichtete weiter, dass im Zuge der Säkularisation nicht nur die Chorherren das Kloster Ilbenstadt verlassen mussten. Auch die wertvolle Schädelreliquie des heiligen Gottfried wurde 1806 an die Prämonstratenser Abtei in Prag übergeben. Erst 1911 gelang es, die kostbare Kopfreliquie des heiligen Gottfried mit Unterstützung des Mainzer Erzbischofes und mit dem Abt Gilbertus Helmer vom  Stift Tepl wieder nach Ilbenstadt zurück zu bringen. Seit dieser Zeit wird auch der erste Sonntag im September im Gedenken an die Rückführung der Reliquie feierlich begangen.

Abt Lobkowicz berichtete auch während der Führung durch die Stiftskirche und  -gebäude, dass das im 12. Jahrhundert gegründete traditionsreiche Stift Teplá  wegen seiner zentralen Lage in Westböhmen immer wieder im Fokus wiederkehrender Kriege und Streitigkeiten gestanden hatte. Es wurde mehrfach geplündert und zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Als nach 1948 Kirche und Klöster in der Tschechoslowakei von den Kommunisten systematisch liquidiert wurden, fiel auch das Stift Teplá dem Klostersturm zum Opfer. Jahrzehntelang von der Armee als Kaserne genutzt, stand die Stiftgebäude nach 1978 leer und verfiel. Nach der politischen Wende wurde das Stift wieder dem  Prämonstratenser Orden übergeben, nicht aber die enteigneten riesigen Ländereien. 1991 konnten die Ordensleute wieder ins Stift einziehen. Die Klosteranlage ist  seitdem Schritt für Schritt aufwendig mit EU –Mitteln restauriert worden. Abt Lobkowizc lebt zur Zeit mit 6 Mitbrüdern in den historischen Räumlichkeiten.

Durch die Zeit unter den Kommunisten hat das katholische Gemeindeleben stark  gelitten, die Zahl der Gläubigen ist sehr dezimiert. Vergleichbar ist  es auch in der Pfarrgemeinde St. Ägidius  in Teplá, wie die Gemeindevertreter berichteten. Abt Lobkowicz wurde von Bürgermeister Merle und Pfarrer Heinz  zum nächsten geplanten Treffen mit den Freunden aus Teplá im April nach Wiesental eingeladen sowie auch zur Verabschiedung des Pfarrers im Juni.

Die Tepler Freunde hatten einen geführten Rundgang durch das nahegelegene  Karlsbad arrangiert.   Die Bezirkshauptstadt, an der Mündung des Flusses Teplá in die  Eger gelegen, präsentierte sich  mit interessantem historischen Hintergrund und  internationalem Kurbetrieb.

Den Abschluss der Reise bildete der Besuch in Eilenburg, wo  der katholische Pfarrer Ulrich Schade  seine  Gemeinde und Kirche St. Franziskus Xaverius vorstellte.  Hier wurde eine ähnliche Situation vorgefunden wie in Tschechien. Die Gemeinde ist stark überaltert, umfasst ca. 400 Mitglieder und ist  der großen Kreisstadt Delitzsch angeschlossen. Die kirchenfeindliche Zeit vor der Wende hat auch hier die Gemeinde dezimiert. Umso mehr freute sich Pfarrer Schade über den Besuch und die Einladung nach Butzbach.  Oberbürgermeister Ralf Scheler und seine Frau Ines empfingen den Kurzbesuch aus  Butzbacher  herzlich und luden zum Neujahrskonzert der Sächsischen Bläserphilharmonie mit dem Volkschor Eilenburg ein.

Die Mitglieder der Butzbacher Delegation mit v.l.n.r. in der ersten Reihe Bürgermeister Karel Hermann, Abt Lobkowicz, Pfarrer Heinz, Bürgermeister Merle, Stadtrat  Michael Mentz. In der 2. Reihe die Organisatorin und Übersetzerin Karla Kunesova, Stadträtin Ilka Thum, vom Pfarrgemeinderat Renate Schwarzer, Christine Borchers-Fanslau, Vizebürgermeister Martin Klepal und ebenfalls von Pfarrgemeinderat Dietmar Gillmann.

In Teplá wurde die Butzbacher Delegation bei kühlen Temperaturen  warmherzig empfangen. V.l.n.r.: Die Übersetzerin Karla Kunesova, Stadtrat Michael Mentz, Christine Borchers-Fanslau, Pfarrer Eberhard Heinz, Stadträtin Ilka Thum, Bürgermeister Michael Merle, Renate Schwarzer und Dietmar Gillmann vom katholischen Pfarrgemeinderat, Vizebürgermeister Martin Klepal und Bürgermeister Karel Hermann.

Die Butzbacher Delegation in Eilenburg mit Pfarrer Eberhard Heinz, Oberbürgermeister Ralf Scheler, Renate Schwarzer, Pfarrer Ulrich Schade, die Stadträte Michael Mentz und Ilka Thum, Bürgermeister Michael Merle, Ines Scheler und Dietmar Gillmann.