02.06.2017

Die Tunnelfluchten von Berlin – Vortrag am 20. Juni im Museum Butzbach

Mit Blick auf den früheren „Tag der Deutschen Einheit“ greift das Museum Butzbach am 20. Juni 2017 um 19.00 Uhr ein historisches Ereignis auf, das seit der Wiedervereinigung mehr und mehr in Vergessenheit gerät: Nicht einmal vier Jahre seit ihrer Gründung waren vergangen, als die Deutsche Demokratische Republik – scheinbar – vor dem Ende stand. Knappe Lebensmittelversorgung, Schlangen vor den Geschäften und kein Strom in der Nacht schürten die Unzufriedenheit der Bürger. Die Wut wuchs, als bei gleicher Bezahlung die Arbeitsnormen erhöht wurden, was einer Lohnkürzung gleichkam.

Ein Bauarbeiterstreik in Berlin am 17. Juni 1953 wurde zum Flächenbrand, geriet innerhalb von Stunden zum Generalstreik und Volksaufstand. Nur mit Hilfe sowjetischer Panzer konnte sich das SED-Regime behaupten und so die Forderung nach freien Wahlen und der Wiedervereinigung Deutschlands niederschlagen.

„Im Westen“ wird der 17. Juni als „Tag der Deutschen Einheit“ rasch zum Feier- und Gedenktag erhoben. Seit der Traum von der Einheit 1990 wahr geworden ist, gerät das historische Datum jedoch in den Hintergrund, die BRD begeht ihren „Tag der Deutschen Einheit“ nun am 3. Oktober. Dies nimmt das Museum Butzbach zum Anlass und erinnert mit einem Vortrag von Sven Kellerhoff an den auch im wiedervereinigten Deutschland wichtigen historischen Tag.

„Unterirdisch in die Freiheit. Die Tunnelfluchten von Berlin“

Der erfolgreiche Buchautor, Journalist und Leitende Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der Zeitung „Die WELT / WELT am Sonntag“ befasst sich mit der spannenden Geschichte der unterirdischen Fluchten. Mehrere davon stehen auch in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen von 1953. In seinem Vortrag zeigt er Fotos und Stasi-Dokumente, berichtet über Gespräche mit Flüchtlingen wie Fluchthelfern und lässt so eine einzigartige historische Situation nach über einem halben Jahrhundert lebendig werden: Als Beton, Stacheldraht und „freies Schussfeld“ Deutsche hinderte, von einem Berliner Bezirk in einen anderen zu wechseln. Für die Freiheit waren sie bereit, ihr Leben zu riskieren. Hunderte DDR-Bürger sahen in der Flucht unter der Berliner Mauer die einzige Chance, der Gefangenschaft in der SED-Diktatur zu entkommen. Seit das Regime im August 1961 die innerstädtische Sektorengrenze zum Todesstreifen ausbaute, gab es immer wieder Versuche, durch selbstgegrabene Stollen nach West-Berlin zu gelangen. Der erste, erfolgreiche Tunnel wurde im Oktober 1961 gegraben, der letzte, erfolglose flog im April 1982 auf. Insgesamt waren es an die 75 Fluchttunnelprojekte, davon 19 geglückte, durch die über 300 DDR-Bürger in den freien Teil der Stadt gelangten.

Es gab spektakuläre Aktionen, Verrat und bitteres Scheitern im Hinterhalt der DDR-Staatssicherheit. Schon bald entwickelte sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tunnelbauern und Stasi-Mitarbeitern, unter zunehmend erschwerten Bedingungen für die Fluchtwilligen und Fluchthelfer.

Die Vortragsveranstaltung findet statt mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“. Die Buchhandlung Bindernagel ist mit einem Büchertisch vertreten. Der Eintritt ist frei.