14.08.2018

Flugplatz Kirch-Göns, gesprengte Wehrmachtsbunker, Ayers Kaserne und Fräuleins

Am Sonntag, den 26.08.2018 lädt die Stadt Butzbach zum Rundgang „Ayers Kaserne – Fräuleins und Taxifahrer“ mit dem Ebersgönser Heimatforscher Werner Reusch nach Kirch-Göns ein. In einer Zeitreise von 1935 bis 2018 wird den Besuchern ausführlich die Geschichte des Flugplatzes Kirch-Göns, die Zeit der Amerikaner in der Ayers Kaserne und die Umgestaltung des ehemaligen Militärgeländes zum Magna Park geschildert. Treffpunkt ist um 14.00 Uhr neben der ehemaligen Kirche der Ayers Kaserne an der Niederkleener Straße.

Am 31.12.1935 wurde mit den Vermessungsarbeiten für den Bau des Flugplatzes Kirch-Göns begonnen. Heute erinnert nichts mehr an die Soldaten der Fernaufklärerstaffel 4.(F)11 in Kirch-Göns, die von diesem sogenannten E-Hafen (Einsatzhafen) aus Aufklärungsflüge über Frankreich durchgeführt haben. Werner Reusch wird bei der Führung vor Ort zeigen, wo einst die Wache, Soldatenunterkünfte, Kommandantur, Gutshofscheune, die Stellplätze der Aufklärungsflugzeuge Do 17 P waren und wo die sogenannte „tausendjährige“ Eiche gestanden hat.

Auch Reste der fünf gesprengten ehemaligen Wehrmachtsbunker werden besichtigt, aus denen vor der Sprengung am 27.03.1945 noch etwa 50 Tonnen Rindfleisch, 15 Tonnen Schweinefleisch und 5 Tonnen Rotwein an die Zivilbevölkerung verteilt worden sind. Der Flugplatz, getarnt als Gutshof, wurde am 24.12.1944 von amerikanischen Flugzeugen bombardiert. Das zerbombte Gelände diente ab 1945 den Amerikanern zunächst als Schrottplatz. Auf einem notdürftig angelegten Sportplatz spielten die Kirch-Gönser Handball, der Reit- und Fahrverein Kirch-Göns/Pohl-Göns und Mitglieder des Butzbacher Segelflug Clubs nutzten das Gelände für Veranstaltungen und die Schäferhundefreunde hatten den Platz für ihre Trainingsarbeiten im Visier.

Doch im Oktober 1952 wurde mit dem Bau der Ayers Kaserne begonnen und bereits sechs Monate später sind im März 1953 die ersten 1000 amerikanischen Soldaten in Kirch-Göns stationiert worden. Mit den Soldaten haben auch die „Fräuleins und leichten Mädchen“ in Kirch-Göns und den umliegenden Ortschaften „Einzug“ gehalten. Vor dem Eingangstor der Ayers Kaserne war von 1953 bis 1956 die „Oasisbar“, betrieben ohne Strom, Wasser und Toiletten. Helmut und Renate Baschek verkauften Kuckucksuhren an die GIs. In den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte Kirch-Göns bis zu 16 Gaststätten. In Pohl-Göns war von 1956 bis 1961 die Broadway-Bar und Butzbach bot für die Soldaten ein besonderes Nachtleben.

Nicht zu vergessen ist die Eisdiele von Alfred und Gertraud Winkler in Langgöns und die „Handgemenge“ vor und in den Kneipen. So mancher Handwerker oder Kaufmann entdeckte zu diesem Zeitpunkt das neue Geschäftsfeld des Taxibetriebes. Am Wochenende, Weihnachten oder am „Pay Day“ wurde rund um die Uhr gefahren und einige besondere Anekdoten werden auch bei dieser Führung angesprochen. Taxifahren war ein lohnendes Geschäft, mit zum Teil auch unerfreulichen Ereignissen, wie Überfälle und Gewaltverbrechen. Amerikanische Truppen waren von Kirch-Göns aus nach Vietnam, Kuwait und Bosnien-Herzegowina entsandt worden.

Und wenn Sie mehr wissen möchten über die Ayers Kaserne, wo einst im Durchschnitt über 6000 amerikanische Soldaten stationiert waren, dann kommen Sie zu der Führung: mit einem der versiertesten Heimatforscher der Region, der sein Publikum durch Humor und seine ganz eigene Art der Darstellung fesselt und mitreißt.  Tickets erhalten Sie bei der Tourist-Information in Butzbach, Marktplatz 1 oder vor der Führung bei Werner Reusch.