30.04.2018

Kontakt zur katholischen Gemeinde in Collecchio

Eine städtische Delegation besuchte unlängst die Friedensschule Monte Sole in Marzabotto und  die Partnerstadt Collecchio. Zweck der Reise war es zum einen,  die ca. 35 Kilometer südlich von Bologna gelegene Friedensschule kennenzulernen, die auch eines der Ziele des Schüleraustausches zwischen der Stadtschule Butzbach und dem Istituto Guatelli/Collecchio war.

Zum anderen wollte die Delegation den Kontakt zur katholischen Gemeinde in Collecchio aufbauen. Nach den Besuchen mit Pfarrer Eberhard Heinz und Pfarrgemeinderat Dietmar Gillmann  in Teplá, Eilenburg und Saint-Cyr –l´Ecole war dies der letzte noch ausstehende Besuch beim katholischen Pfarrer Don Guido in Collecchio.

In kleinen Gruppen –mit deutsch-italienisch gemischten Teams- stellten Betreuerinnen der Friedensschule Monte Sole zahlreiche Fragen an die Teilnehmer wie zum Beispiel „Gibt es Regeln im Krieg?“, „ Kann man einen Partisanen erkennen, wenn er vor einem steht?“. Die gemeinsame Sprache war Englisch. Viel Aufmerksamkeit war da gefragt.

Herzlich wurden die Delegationsmitglieder, neben Pfarrer Heinz und Dietmar Gillmann, auch Stadträtin Ilka Thum und die städtischen Mitarbeiter Oliver Leuschke und Christine Borchers-Fanslau, von Don Guido empfangen. Der Pfarrer betreut die Gemeinde der Kernstadt Collecchio und seit zwei Jahren auch von drei weiteren Stadtteilen. Ihm stehen der jüngere Don Paolo und der bereits pensionierte Don Giorgio als Kollegen zur Seite. Der Pfarrgemeinderat ist in Collecchio doppelt so groß wie in Butzbach und umfasst  30 Personen. Einen Verwaltungsrat gibt es in der Partnerstadt ebenso. Neben der  Arbeit für die Gemeinde ergeben sich Arbeitsschwerpunkte bei der Integration von Flüchtlingen und deren Versorgung. Mit der Butzbacher katholischen Gemeinde  möchte man gern in Kontakt und Austausch treten und  zum deutsch-italienischen Fest Anfang Juni wird Don Paolo Butzbach und die Kirchengemeinde  St. Gottfried besuchen. Ein Empfang der Gäste aus Collecchio ist für Freitagabend, den  1. Juni , im katholischen Gemeindehaus geplant. Gemeinsam werden Don Paolo und Pfarrer Eberhard Heinz am Sonntagmorgen dann die Messe zelebrieren.

Weiteres Ziel war der Geschichtspark Monte Sole. Circa  820 m über dem Meeresspiegel gelegen und  ein ganz besondere Ort, denn er ist eine Mischung aus Naturschutzgebiet und Gedenkort.  Der Bergrücken des  Monte Sole in der Gemeinde Marzabotto gehört zum Gebirge des  Apennins. In dieser Gegend schlossen sich Partisanen des „Stella Rossa“ 1944 dem bewaffneten Widerstand, der „Resistenza“, gegen den italienischen Faschismus  und die nationalsozialistischen Besatzung in Italien, an. Im September spitzten sich die Kriegsgeschehnisse im Gebiet südlich von Bologna zu und die deutsche Wehrmacht reagierte mit Straf- und systematischen Vernichtungsaktionen. Eines der grausamsten Massaker fand zwischen dem 29. September und dem 5. Oktober 1944 in Marzabotto statt. Deutsche Verbände sprengten Häuser, Schulen, Kirchen und Friedhöfe und töteten so 770 Personen, darunter 216 Kinder. Das jüngste Opfer war nur 20 Tage alt. Die Friedensschule Monte Sole setzt sich mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte auseinander, betrachtet die Seite der Angreifer wie der Opfer und versucht durch bedachte Fragestellungen und im Wissen über Gewaltmechanismen  Jugendliche an dieses schwierige Thema heranzuführen. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt der Betrachtungen.

Sichtlich stolz auf die Austauschschüler, die den Besuch der Friedenschule großartig meisterten und voll des Lobes war Bürgermeister Paolo Bianchi /Collecchio, der die Delegationen begleitete. Arrangiert wurde der Besuch von den Lehrern der gastgebenden Schule in Collecchio, Simone Mazza, (erste Reihe in der Hocke, rechts neben Paolo Bianchi) und Lorenza Morgante.

Dank des Zusammentreffens mit den Schülern der Stadtschule und ihren italienischen Partnern vor Ort, konnte sich die Butzbacher Delegation von der fruchtbaren und nicht einfachen Arbeit der Friedensschule überzeugen. Der ganztätige Aufenthalt teilte sich in den Vormittag mit der Darstellung der historischen Ortsgeschehnisse und vielen damit verbundenen Fragen. Ein Spaziergang zu den Mauerresten des Weilers Caprara als stummer Zeuge des Massakers, gehörte ebenso zum Programm. Die Ruhe der Örtlichkeit und der großzügige Zeitrahmen, sowie  die Aktivitäten in der heute so friedlichen und naturschönen Landschaft, machten es möglich, Fragen zu stellen, für die im Geschichtsunterricht keine Zeit bleibt. Abstrakte Begriffe konnten mit Leben gefüllt werden.  Der Nachmittag ging für die Schüler mit teambildenden Übungen sehr erfolgreich zu Ende.