05.09.2018

Sonderausstellung über Butzbacher Maler und Graphiker Heiner Bindhardt wird am Freitag eröffnet

Das Museum der Stadt Butzbach hat in den zurückliegenden Jahren immer wieder versucht, Ausstellungen über die Künstlerinnen und Künstler, die in Butzbach leben oder lebten und arbeiteten, in Sonderausstellungen zu würdigen.

So wurden u. a. Ausstellungen über Margret Kranz (1888-1973) und Ernstjoachim Eckner (1906-1968) neben zahlreichen Überblickspräsentationen mit mehreren Künstlern gezeigt.

Der (Kunst-)Maler und Graphiker Heinz (Rufname Heiner) Bindhardt, geboren 1910 in Wiesbaden, verstorben 1962 in Butzbach, besuchte die Kunstgewerbeschule in Wiesbaden und später in Berlin. Seine erste feste Anstellung (in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten) führte ihn 1930 von Berlin zu seiner ersten Stelle als Gebrauchsgraphiker nach Alexandria (Ägypten), um in einer großen Druckerei zu arbeiten. Schon im Jahr darauf ging er nach Kairo, um dort mit zwei deutschen Malern ein Atelier zu eröffnen. Hier heiratete er Helene (Leni) Meyer (1901-1983), die er 1929 während des Besuchs der Kunstgewerbeschule kennen gelernt hatte und die zusammen mit Anni Heinzmann eine Modewerkstatt aufgemacht hatte. Ihre Eltern zogen 1934 in die Heimatstadt ihrer Mutter (einer geborenen Reitz), nach Butzbach, wo sich in einem großen ehem. Bauernhof in der Wetzlarer Straße 31 (heute Hallenbad) das Familiendomizil („das Nest“) entwickelte. Ab 1935 lebte das junge Ehepaar in Berlin, wo Bindhardt im großen (jüdischen) Berliner Kaufhaus Wertheim als Graphiker eine Stelle fand. Die künstlerisch ebenfalls sehr begabte Leni Meyer arbeitete in Berlin als Modedesignerin. Zwei Söhne entsprangen der Ehe. 1939 wurde er eingezogen. Nach Einsatz in Frankreich musste Bindhardt 1941 in die Sowjetunion und geriet am Ende des Krieges in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Von dort wurde der gebürtige Wiesbadener am 18. Juni 1945 nach Butzbach entlassen, wo die kleine Familie wegen der Bombenangriffe auf Berlin 1942 eine sicherere Zufluchtsstätte bei ihren Eltern gefunden hatte. Auch im Krieg, in Russland, konnte Bindhardt eine ganze Reihe von Skizzen von Landschaft und Menschen machen. Butzbach wurde zur Heimatstadt Heiner Bindhardts. Die wirtschaftlichen Verhältnisse wurden für lange Zeit nicht besser, vor allem nicht für einen Künstler. Mit Margret Kranz zusammen erhielt er z.B. den Auftrag von der Kirchengemeinde Butzbach, ein zweibändiges, großformatiges Ehrenbuch für die Kriegsgefallenen der Stadt, kalligraphisch reich ausgeschmückt, zu gestalten und anzulegen. In der früheren Torhalle der Reitzschen oder Meyerschen Hofreite wurde nun das Atelier des Künstlers eingerichtet. Für die Offenbacher Großdruckerei Roland konnte er immer wieder Aufträge durchführen. Aber in den Jahren, in denen alles auf ein bevorstehendes „Wirtschaftswunder“ hindeutete (und auf neue, lukrative Aufträge oder feste Anstellung), wurde der Künstler vom Krebs befallen und starb nach zwei Jahren schwerer Peinigung im Jahr 1962 in seinem Zuhause.

„Heiner Bindhardt – Eine Retrospektive“

Die Ausstellung zeigt, dass Bindhardt ein ausgesprochen vielseitiger Künstler war, der viele und sehr unterschiedliche Kunstwerke geschaffen hat. In seinem künstlerischen Nachlass finden sich einige Portraits, etliche abstrakte und ornamentale Kompositionen (vor der NS-Zeit gelegentlich und nach ca. 1950), auch orientalisch anmutende Architekturen, südliche und heimische Landschaften, naive Ortsansichten, Blumenstücke und Stillleben. Eine erhaltene großformatige, naturalistische Pflanzendarstellung beweist, dass Bindhardt durchaus auch „altmeisterlich“ arbeiten konnte, wenn dies andererseits sicherlich nicht sein Lieblingsstil war. Ebenso vielfältig sind die Techniken, die er anwendete: mit Feder und Bleistift skizzierte Bilder, meist leicht aquarelliert, reine Aquarelle und Öl, Miniaturen in Tempera. Neben den graphischen Werken befasste er sich interessanterweise auch mit textilem Gestalten in Form von Stickereien und Knüpfarbeiten, oft mit dem Anspruch, modern, „zeitgemäß“, zu gestalten.

Das umfassende, immer wieder in verschiedensten Schattierungen faszinierende Werk des Butzbacher Künstlers wird in der Sonderausstellung des Museums der Stadt Butzbach erstmals in seiner ganzen Schaffensbreite vorgestellt und gewürdigt.

Die feierliche Eröffnung findet am kommenden Freitag, 7. September 2018, um 19 Uhr, statt. Musikalisch umrahmt wird die Feier vom “Blockflöten-Ensemble” der Musikschule Butzbach unter der Leitung von Gerd Schulz. Mitwirkende sind Anne Hild, Beate Durchfeld-Meyer und Ingrid Bindhardt – die Schwiegertochter von Künstlersohn Dr. Heiner Bindhardt.

Die Ausstellung „Heiner Bindhardt – Eine Retrospektive“ kann bis zum 7. Oktober 2018 im Museum der Stadt Butzbach besichtigt werden.

Der Eintritt zur Eröffnungsveranstaltung ist frei – Spenden erwünscht.