16.11.2018

Städtepartnerschaftliches Treffen in Verdun

Aus Anlass des Gedenkens an  das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren trafen sich Anfang Oktober zwei große Delegationen der Partnerstädte Saint-Cyr-l’Ecole und Butzbach in Verdun am Beinhaus „ossuaire“ in Douaumont.

Kaum eine Schlacht steht so sehr für die Schrecken des 1. Weltkrieges wie die Schlacht um Verdun. Sie wütete von Februar bis Dezember 1916. Nie wieder starben so viele Soldaten auf so engem Raum. Der Wahnsinn des „grande guerre“ wie ihn die Franzosen nennen, endete am 11. November 1918. Bis heute ist der 11. November in Frankreich der Gedenktag für die Gefallenen des 1. Weltkrieges.

In einer feierlichen Zeremonie, begleitet von Klängen der französischen Kapelle der Saint Cyrienne, legten beide Delegationen im Ossuiare de Douaumont Kränze für die verstorbenen französischen und deutschen Soldaten nieder. Landtagspräsident Norbert Kartmann, Schirmherr des partnerschaftlichen Wochenendes, würdigte die Begegnung der Vertreter der beiden verschwisterten Städte als ein bedeutendes Ereignis bei dem sich die Beteiligten stellvertretend für Ihre Völker versammelten hätten. Letztlich sei es der 2. Weltkrieg, der den nationalistischen Prägungen der meisten europäischen Staaten den Boden entzogen hätte und europäischem Denken zum Durchbruch verholfen habe. Schon Aristide Briand und Gustav Stresemann hätten eine europäische Union als gesamteuropäische Idee zwischen den Kriegen vertreten, aber erst nach dem totalen Zusammenbruch 1945 habe das gemeinsame Europa Wirklichkeit werden können. Der Elysée-Vertrag von 1963 habe dann  den Grundstein für ein festes Band zwischen Frankreich und Deutschland gelegt. Kartmann erinnerte auch an das Bild Mitterands und Kohls 1984 Hand in Hand, als Bild eines unverbrüchlichen Symbols der deutsch-französische Freundschaft.  Für den aufkeimenden Nationalismus in vielen Ländern Europas gebe es nur eine einzige Antwort: Nein.

Ein beeindruckendes und denkwürdiges Erlebnis

Der Jugendstadtrat aus Saint-Cyr verlas den Brief eines Soldaten, der vom Weihnachtsfest in den Schützengräben berichtete und auch die Schüler der Geschichtsreisen AG der IGS Schrenzerschule verlasen eine Grußbotschaft, die mit dem Wunsch nach Frieden, Verständigung und Freundschaft zwischen den Menschen in Butzbach und Saint –Cyr-l’Ecole endete. Bürgermeister Michael Merle erinnerte ebenfalls an die Friedensbemühungen des französischen Außenministers Aristide Briand und seinen deutschen Amtskollegen Gustav Stresemann, die 1926 für die deutsch-französische Aussöhnung nach dem 1. Weltkrieg mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden waren. „ Das Vertrauenskapital, das der Staatsmann in Europa aufgebaut hatte, wurde von den Nationalsozialisten in Berlin gezielt zerstört, “ so Merle. Und weiter sagte er, dass wir uns stets daran erinnern müssen, dass Friede und Freundschaft in Europa tagtäglich neu bekräftigt werden müssen und dass Verdun  und die vielen anderen Schlachtfelder des 1. Weltkrieges mit ihren Millionen Opfern uns mahnen, in unseren Anstrengungen für ein gemeinsames, friedliches Europa nicht nachzulassen.

Bürgermeister Debain bekräftigte, dass Franzosen und Deutsche sich in Douaumont erinnern und nicht vergessen wollen. „Nicht vergessen, in welchen vernichtenden Wahnsinn wir durch das Spiel der diplomatischen Bündnisse um territoriale Ausdehnung getrieben wurden.“ Und weiter heißt es; „Während nun Vorbereitungen für die Europawahlen des nächsten Frühjahres getroffen werden, hoffe ich, dass es uns gelingt, ein Europa zu erbauen, in dem wir stolz und glücklich sein können, so wie wir sind, zwar verschieden aber einander ergänzend, und in dem wir gemeinsam in Frieden leben.“

Die ca. 120 deutschen und französischen Teilnehmer an diesem Treffen hatten Gelegenheit das 137 m lange Beinhaus, das im Innern über und über mit Gedenktafeln an verstorbenen Soldaten ausgestattet ist wie auch die sterblichen Überreste der Soldaten im Untergeschoss des Beinhauses und den immense großen Friedhof sowie die Schützengräben zu besichtigen. Das Elend und den Schmerz, den dieser apokalyptische Krieg hinterlassen hat, ist durch das Erleben in Verdun konkret geworden. Die Teilnehmer an der Verdun Reise waren durchweg ergriffen und jeder bewegt wohl manche Fragen im eigenen Herzen, wie Debain sagte. Der inhaltlich große Bogen konnte dann am Sonntag mit der Multivision „Verdun, der 1. Weltkrieg und die Friedensbotschaft von Fiquelmont“ geschlossen werden.