27.06.2017

Vor 20 Jahren wurde die Ayers Kaserne Kirch-Göns geschlossen

Am Samstag, dem 15. Juli lädt die Stadt Butzbach zu einer besonderen Führung mit dem Ebersgönser Heimatforscher Werner Reusch nach Kirch-Göns ein. Die Führung steht unter der Überschrift  „Ayers Kaserne-Fräuleins und Taxifahrer“. Die Geschichte der Amerikaner in der Ayers Kaserne von 1953 bis 1997 wird durch den Rundgang in Erinnerung gerufen. Treffpunkt ist um 14 Uhr neben der ehemaligen Kirche der Ayers Kaserne an der Niederkleener Straße. Die Führung über ebene Straßen mit einer Wegstrecke von etwa einem Kilometer dauert 90 Minuten.

Am 05. Juni 1997 hat der letzte Kommandeurswechsel in der 44jährigen Geschichte des US-Militärstandortes in der Ayers Kaserne stattgefunden. Colonel Keith C. Walker hatte in einer feierlichen Zeremonie auf dem geflaggten Paradefeld von seinem verdienstvollen und hochdekorierten Vorgänger Gregory Fontenot die Befehlsgewalt über die in Kirch-Göns und Friedberg stationierte 1. Brigade, das „Ready First Combat Team“ der 1. US-Panzer Division „Old Ironsides“ übernommen. Einige Tage danach wurde die Ayers Kaserne geräumt und das Haupttor Ende Juni 1997 geschlossen. Zur Erinnerung: Im Oktober 1952 wurde mit dem Bau der Ayers Kaserne begonnen und im März 1953 sind die ersten 1000 amerikanischen Soldaten zu Fuß von Gießen in den neuen Kirch-Gönser Standort gelaufen. Sie waren zuvor im Korea Krieg eingesetzt.

 

Führung am 15. Juli soll an Amerikaner „Fräuleins“ und Taxifahrer erinnern

Mit den Soldaten haben auch die „Fräuleins und leichten Mädchen“ Einzug in Kirch-Göns und den umliegenden Ortschaften gehalten. Vor dem Eingangstor der Ayers Kaserne wurde von 1953 bis 1956 die „Oasisbar“, betrieben ohne Strom, Wasser und Toiletten, und Helmut und Renate Baschek verkauften Kuckucksuhren an die GIs. In den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte Kirch-Göns bis zu 16 Gaststätten. In Pohl-Göns war von 1956 bis 1961 die Broadway-Bar, und Butzbach bot für die Soldaten ein besonderes Nachtleben. Nicht zu vergessen ist die Eisdiele von Alfred und Gertraud Winkler in Langgöns und die „Handgemenge“ vor und in den Kneipen. So mancher Handwerker oder Kaufmann entdeckte zu diesem Zeitpunkt das neue Geschäftsfeld des Taxibetriebes. Am Wochenende, Weihnachten oder dem „Pay Day“ wurde rund um die Uhr gefahren und einige besondere Anekdoten werden auch bei dieser Führung angesprochen.  Taxifahren war ein lohnendes Geschäft, mit zum Teil auch unerfreulichen Ereignissen, wie Überfälle und Gewaltverbrechen. Nicht zu vergessen ist auch das großzügige unentgeltliche Engagement der Amerikaner in Butzbach und den umliegenden Gemeinden beim Bau von Sportplätzen und anderen Einrichtungen.

Seit 1953 hatte der Kirch-Gönser Standort eine wichtige Rolle bei der Verteidigung Europas und Deutschlands vor möglichen Angriffen gespielt. Amerikanische Truppen waren von Kirch-Göns aus nach Vietnam, Kuwait und Bosnien-Herzegowina entsandt worden.

Viele interessante Anekdoten und Hintergrundwissen vermittelt diese Stadtteilführung. Tickets erhalten Sie bei der Tourist-Information in Butzbach, Marktplatz 2 oder vor der Führung bei Werner Reusch.