17.09.2018

Massiver Borkenkäferbefall im Butzbacher Stadtwald

Die Fichten im Butzbacher Wald sind teilweise massiv vom Borkenkäfer befallen. Die Nadeln färben sich braun, die Rinde fällt teilweise flächig ab.  Die ersten Anzeichen eines Borkenkäferbefalls in der noch scheinbar gesunden Fichte zeichnet sich durch das am Stamm sichtbare braune Bohrmehl des Buchdruckers ab. Der Baum verliert bereits jetzt die noch grünen Nadeln. Innerhalb weniger Tage sind die Nadeln der Fichte dann braun gefärbt und man erkennt die sogenannten „Borkenkäfernester“ von weitem.

Im Butzbacher Stadtwald sind seit Wochen städtische Waldarbeiter und auch Unternehmer mit der motormanuellen Aufarbeitung von  Käferfichten beschäftigt.  Seit dieser Woche ist im  Waldbereich Sommerberg hinter dem Forsthaus Butzbach auch ein Forstunternehmer mit Harvestertechnik eingesetzt.

Bürgermeister Merle und Mitglieder des Magistrats informierten sich am Donnerstag Vormittag vor Ort  über die Dimension des Schädlingsbefalls und die Auswirkungen. Fachbereichsleiter Daniel Zimmermann vom Forstamt Weilrod und Revierleiter Heinrich Wienchol erklärten, warum der Borkenkäfer, hier handelt es sich um den sogenannten Buchdrucker, so massive Schäden anrichten kann.

HessenForst informiert Bürgermeister und Magistrat im Wald über Borkenkäferkalamität

Durch die lang anhaltende Trockenheit und die über Wochen andauernden extrem hohen Temperaturen sind die flach wurzelnden Fichten einem Trockenheitsstress ausgesetzt und vorgeschädigt, somit anfällig für Schädlingsbefall. Im Normalfall könne ein vitaler Baum das Einbohren des Borkenkäfers in die Rinde durch Harzbildung abwehren. Durch das fehlende Wasser funktioniert dieser notwendige Harzfluss nicht und die Schädlinge können sich vermehrt durch die Rinde bohren und ihre Eier ablegen.

Magistratsmitglieder  informieren sich

Der Larvenfraß unterbindet den Wassertransport unter der Rinde und der Baum stirbt ab. Ein Entwicklungszyklus beträgt etwa 6 Wochen. Dann fliegt bereits eine neue Käfergeneration aus  und befällt die nächsten Bäume.

Die Borkenkäferfichten  müssten jetzt schnellstmöglich aufgearbeitet und aus dem Wald abgefahren werden.

. Fraßbild des Buchdruckers

Lt. Zimmermann sei das Borkenkäferproblem im gesamten Forstamtsbereich zu finden. Auch andere Regionen Hessens und andere Bundesländer sind massiv betroffen. Der Holzmarkt werde gerade durch diese Zwangsanfälle überschwemmt, zumal das Holz aus den Winterstürmen noch nicht komplett vom Markt aufgenommen werden konnte. Durch die großen Holzmengen seien zudem auch die Holzpreise gefallen, im Gegenzug die Preise der Forstlichen Lohnunternehmen aber gestiegen. Im Butzbacher Wald, hier ist der Bereich in den Höhenlagen zwischen Maibach und Hausberg wegen des hohen Fichtenanteils besonders stark betroffen, übersteigt das aktuelle Käferholz den geplanten Jahreseinschlag frischer Fichte erheblich. Täglich kommen neue Bäume hinzu.

Können die Fichtenstämme nicht zügig vermarktet werden, müssen die Stämme entweder geschält oder als letztes Mittel die Polter mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel gespritzt werden, um eine weitere Vermehrung des Schädlings zu minimieren. Dies alles beschert den Waldeigentümern zusätzliche Kosten.

Im Fauerbacher Wald konnten  Bürgermeister Merle und die Magistratsmitglieder eine entstandene Kahlfläche besichtigen. Der aufstockende ca. 130-jährige Fichtenbestand musste jetzt wegen Schädlingsbefall in einem Zug eingeschlagen werden. Im Normalfall hätte man die Ernte der dicken Stämme noch über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren gestreckt.

Da auf dieser Fläche bereits eine beachtliche Naturverjüngung vorhanden sei, so Förster Wienchol, müsse hier zwar nichts gepflanzt werden. Andere Kahlflächen seien jedoch auszupflanzen, so die Verpflichtung aus dem Waldgesetz. Zimmermann erläuterte anfangs der Exkursion anhand einer Übersichtskarte, wo im gesamten Forstamtsbereich die problematischen Fichtenstandorte liegen, über die man sich im Zeichen des Klimawandels und speziell über die zukünftige Baumartenauswahl Gedanken machen müsse. Es sei zu erwarten, so der Forstfachmann, dass die Baumart Fichte an vielen Standorten ganz ausfallen wird. Eine Alternative für die Kompensation der  Fichte sei nach wie vor die Baumart Douglasie, die sich aufgrund einer tiefer reichenden Wurzel in trockenen Zeiten besser Wasserversorgen könne und bei Sturm standfester sei. Die Douglasie würde jedoch als nicht heimische Baumart bei z. B. einer FSC-Zertifizierung nur truppweise und nicht großflächig akzeptiert.

Neukulturen müssen Standort angepasst ausgewählt und jahrelang gepflegt werden, was dem Waldeigentümer einigen Aufwand und Kosten bereitet. Bis auf den Flächen wieder einmal Holzgeldeinnahmen generiert werden können, vergehen Jahrzehnte. Die aktuelle Borkenkäferproblematik wirke nicht nur noch viele Jahre wegen Einnahmeverlusten und höherer Kosten nach, auch werde sich das Landschaftsbild sichtbar wandeln, so die Förster.

In Kürze wird sich der Ausschuss für Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Forsten mit der Thematik beschäftigen.