07.10.2016

„Alle Gewinner“ der Konversion

Bilanz: Akteure der Umgestaltung von Housing Area zu Wohnen am Limes zufrieden mit Entwicklung.

BUTZBACH (thg). Viel gegenseitiges Lob äußerten gestern die Beteiligten an der Entwicklung der ehemaligen amerikanischen Siedlung „Housing Area“ im Butzbacher Degerfeld zum Viertel „Wohnen am Limes“. Bei einem Treffen im Quartierszentrum Degerfeld, zu dem Bürgermeister Michael Merle eingeladen hatte, stand fü alle Teilnehmer fest, dass die Dynamik, mit der nach dem Kauf und Rechtskraft der einschlägigen Beschlüsse Abriss, Vermarktung und Bautätigkeit vonstatten gingen, den schnellen Abschluss des Projektes gefördert hätten.

Dass er das Gebiet nicht wiedererkenne, sagte Claus Niebelschütz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der den Verkauf durch den Bund im wesentlichen übernommen hatte. Dass Stadt und Bima variabel und flexibel gewesen seien, habe das Verfahren ausgezeichnet. „Das war der Durchbruch.“ 24 Hektar Fläche, 34 Mehrfamilienhäuser, 657 Wohnungen, zwei Einfamilien- und vier Duplexhäuser, dazu das Krankenhaus und die Schule habe das Gelände umfasst.

Während die Stadt als Ziel ausgegeben habe, ein gutes Drittel der Wohnblöcke zu erhalten, habe die Bima etwa die Hälfte stehen lassen wollen. Entsprechende Untersuchungen im Vorfeld hätten ergeben, dass dies für den Markt möglich sei, die Nachfrage nach Einfamilienwohnbauland sei nach der Finanz- und Immobilienkrise seinerzeit wieder angelaufen. Die Bima ging im Oktober 2010 „an den Markt“ mit der Housing Area.

20 Blöcke mit 400 Wohnungen seien geblieben, 150 Bauplätze entstanden, die inzwischen fast alle bebaut seien, fasste Daniel Beitlich, Revikon-Geschäftsführer, der zusammen mit Architekt Felix Feldmann eine positive Bilanz der Investition zog. Das Projekt sei auch wirtschaftlich erfolgreich gewesen, auch wenn die Investoren unter dem Eindruck der schnellen Entwicklung mitunter gehandelt hätten, ohne die wirtschaftlichste Lösung zu wählen. Außerdem habe man sich unter anderem an die vereinbarten Baulandpreise gehalten. Im Juni 2011 bei der offiziellen Verkündung des Kaufs hatte Beitlich von einer Investition in Höhe von etwas mehr als 20 Millionen Euro gesprochen.

Die Dynamik entstand auch durch das Einbeziehen von Partnern in die Vermarktung von Geschosswohnungen und Bauplätzen. Dadurch sei das Wohngebiet breiter bekannt geworden. Und als die ersten Wohnungsbelegungen gezeigt hätten, dass es funktioniert, sei es noch schneller gegangen. Dementsprechend sagte Niebelschütz: „Wir haben den Richtigen ausgesucht.“ Merle erklärte: „Das ist ein toller Erfolg für unsere Stadt.“ Und nach Beitlichs Einschätzung haben dabei „alle gewonnen“. Es sei zwar ein Weg mit Klippen gewesen, aber es hätten alle an einem Strang gezogen und „Schulter an Schulter gearbeitet“ unter anderem mit Ottmar Rees von der Wirtschaftsförderung und Beate Seiler vom Sozialfachdienst der Stadt.

Dass die Stadt die Entwicklung nicht allein hätte leisten können, war die einhellige Meinung. Merle sagte, allein die finanzielle Situation unter dem Eindruck der Haushaltskonsolidierung hätte die Möglichkeiten begrenzt. Hinzu seien Risiken wie etwa Grabungen zum Weltkulturerbe Limes gekommen. Die Stadt habe sich über die Butzbacher Wohnungsgesellschaft, deren Geschäftsführer Alexander Kartmann gestern mit dabei war, eingebracht mit dem Kauf zweier Blockreihen, nunmehr mit dem Quartiersmanagement der Sozialen Stadt durch Senel Ayana und mit dem Erwerb des Heizkraftwerks durch die Energie und Versorgung Butzbach. Deren Geschäftsführer Michael Weiß erhielt Lob von Beitlich, weil die Gesellschaft bei der Erschließung „Vollgas gegeben“ habe.

Ferner dauerten die Entscheidungsprozesse in der Kommune länger, allein durch Ausschreibungen. Die Unternehmer könnten kurzfristig handeln, manchmal nur durch einen Anruf. In der Kommune seien die Gremien zu beteiligen.

Niebelschütz hob hervor, dass das Eigentumsrecht nicht unbedingt höher zu bewerten sei als das Planungsrecht, das der Kommune obliegt. Sie habe die Festlegungen in der Hand. Da die Risiken mitunter schwer einzuschätzen seien, zögen sich die Verhandlungen mit der Bima dann hin. Zur Vermarktung beispielsweise brauche die Kommune dann auch wieder Investoren.

Butzbach habe aktuell rund 25 500 Einwohner, berichtete Merle. Mit Stand gestern lebten allein 1461 Einwohner im Gebiet „Wohnen am Limes“. Erster Stadtrat Manfred Schütz nannte die gesamte Entwicklung von Lebensmittelmarkt über Wohnungen und Einfamilienhaus bis hin zum Kindergarten fast einen eigenen Stadtteil. Doch ist es allen Beteiligten wichtig, ebenso dem Stadtteilbeirat, den Michael Schröter vertrat, dass das alte Degerfeld, Wohnen am Limes und die Kernstadt zusammenwachsen.

Quelle: Butzbacher Zeitung