10.11.2017

Fauerbacher priorisieren Maßnahmen für ihre Ortsdurchfahrt

Keine gesicherten Querungen für Fußgänger, diverse Engstellen, schmale Bürgersteige, aber zugleich eine geringe Verkehrsbelastung – die Ortsdurchfahrt in Fauerbach ähnelt mit ihren Schwächen und Stärken den Hauptstraßen vieler Orte in der Region Wetterau/Oberhessen. Daher haben die Stadt Butzbach, der Regionalverband FrankfurtRheinMain und die Justus Liebig Universität  im Rahmen des Projektes DORF UND DU ein kooperatives Planungsmodell erprobt, um auch für (kleine) Ortsteile mit einer statistisch geringen Verkehrsbelastung Optionen zur Gestaltung des Straßenraums zu entwickeln. Am 26. Oktober 2017 haben sich die Fauerbacher Bürger  hiermit beschäftigt.

„Die Gestaltung von Ortsdurchfahrten ist eng mit Fragen der Ortsinnenentwicklung verbunden. Neben verkehrlichen Funktionen muss der Straßenraum vielfältigen Ansprüchen von Anliegern, Fußgängern, Rad- und Autofahrern sowie Durchfahrenden genügen“, zeigt Michael Merle, Bürgermeister in Butzbach, auf. Damit dies gelingt, müssen insbesondere bei Landesstraßen – wie in Fauerbach – viele Akteure kooperieren. „Für die Städte und Gemeinden sind die Ergebnisse oft unbefriedigend. Denn aktuell nimmt der Durchgangsverkehr den höchsten Stellenwert ein, doch Ortsdurchfahrten sind vor allem auch Lebensräume. Der Regionalverband setzt sich deshalb dafür ein, Straße und Umfeld als eine Einheit zu betrachten“, sagt Ulrike Jennen vom Regionalverband FrankfurtRheinMain.

Um die vielfältigen Ansprüche an den Straßenraum unter einen Hut zu bringen und Optionen zur attraktiven Gestaltung der Ortsdurchfahrt zu erstellen, wurde von der Stadt Butzbach, dem Regionalverband Frankfurt-RheinMain und der Universität Gießen ein „kooperatives Planungsmodell“ entwickelt. Das Modell sieht vor, dass bereits sehr früh die für die Straße zuständigen Behörden und die Bürger eingebunden werden. So nannten in einer Bürgerwerkstatt zunächst die Fauerbacher ihre Wünsche sowie Stärken und Schwächen der Straße. Darauf aufbauend erstellte die Uni Gießen eine Bestandsaufnahme und von einem Planungsbüro, das vom Regionalverband FrankfurtRheinMain beauftragt wurde, wurden 15 Vorschläge zur attraktiven Gestaltung der Ortsdurchfahrt erarbeitet. Diese Vorschläge wurden dann mit den zuständigen Behörden, wie HessenMobil und derStraßenverkehrsbehörde, diskutiert. So konnten bereits im Anfangsstadium Bedenken und Alternativen ausgelotet werden. Zudem wurden Vorschläge, die prioritär zu behandeln sind, ausgewählt.

Bei der Bürgerwerkstatt am 26. Oktober 2017 wurden dann auch die Bestandserhebung und die 15 Optionen zur Gestaltung der Ortsdurchfahrt mit den Fauerbachern diskutiert: Welche Maßnahmen sind besonders wichtig und welche nicht? Insbesondere die Querungsinseln am Ortseingang waren den Fauerbachern wichtig, weil diese mehrere Funktionen haben. Sie reduzieren nicht nur die Geschwindigkeit des einfahrenden Verkehrs, sondern ermöglichen auch Radfahrern und Fußgängern  eine Querung der Straße. Diese Aspekte standen bereits bei der ersten Bürgerwerkstatt im Mittelpunkt. Die beteiligten Fachbehörden sahen diese Maßnahme ebenfalls als sinnvoll an. Auch das Aufstellen von Tempo-Info-Geräten, die den Autofahrern die Geschwindigkeit anzeigen, wurde sowohl von Fauerbachern als auch von Fachbehörden befürwortet. Hingegen wurde die Maßnahme „Engstellensequenz“ von den Fauerbachern und den Fachbehörden unterschiedlich bewertet. Die Maßnahme sieht vor, dass die Straße verschmälert und der Bürgersteig dafür verbreitet wird und so mehr Platz für Fußgänger entsteht. Dadurch wird vermieden, dass sich Fahrzeuge an schmalen Straßenabschnitten begegnen. Die Fauerbacher befürchten, dass dadurch ein Stau bzw. eine Lärmbelastung durch den anfahrenden Verkehr entsteht, wenn Fahrzeuge versuchen, den Stau am Gambacher Kreuz zu umfahren. Die Fachplaner befürworten jedoch die Maßnahme, da sie den „Lebensraum Ortsdurchfahrt“ aufwertet. Diese Hinweise gilt es nun zu prüfen und mit Verkehrszahlen zu unterfüttern.

Auch die Steigerung der Aufenthaltsqualität war vielen Fauerbachern wichtig, denn die Ortsdurchfahrt ist auch ein Aushängeschild für den Ort. „Die Fauerbacher engagieren sich bereits seit langem und haben die AGGI, einen Dorfplatz, gestaltet. Dieses Engagement kann für die Ortsdurchfahrt genutzt werden“, so  Ewald Reitz, Ortsvorsteher in Fauerbach. Ein Vorschlag aus der Bürgerwerkstatt ist, dass die AGGI um eine E-Bike-Ladestation ergänzt wird. Außerdem ist zu überlegen, ob Patenschaften für Beete vergeben werden.

Außerdem nahmen die Fauerbacher auf, dass es mit einer einfachen Zebrastreifenmarkierung und dem Aufhängen eines Schildes nicht getan ist. Verkehrsmenge, Klassifizierung der Straße und die Zuständigkeit der unterschiedlichen Behörden spielen eine große Rolle. „Zwischen den Bürgern, den verschiedenen Planungsebenen und -ressorts fand ein Lernprozess statt. Es wurde deutlich, dass Dialog und Kooperation zwischen den Akteuren stattfinden müssen, um Ortsdurchfahrten attraktiv zu machen“, fasst  Melanie Geier von der JLU Gießen zusammen.

„Neu an dem Prozess ist, dass ein frühzeitiger Dialog stattfindet – sowohl zwischen den Fachplanungen als auch zwischen Planung und Bürgern. So können die unterschiedlichen Ansprüche an den Straßenraum koordiniert und Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden“, resümiert  Otfried Herling, Projektleiter des Forschungsvorhabens und Fachdienstleiter in Butzbach.

Im Anschluss an die Bürgerwerkstatt und die Maßnahmendiskussionen wird das kooperative Planungsmodell bewertet und in Form eines Handlungsleitfadens für andere Kommunen mit ähnlichen Ortsdurchfahrten bzw. Hauptverkehrsstraßen bereitgestellt. Die Anregungen der Fauerbacher werden aufgenommen, abgewogen und in den Prozess der Attraktivierung der Ortsdurchfahrt einbezogen. Die Maßnahmenempfehlungen gilt es dann zu prüfen.

Weitere Informationen rund um das Vorhaben und den Prozess in Fauerbach finden Sie auf der Website: www.dorfunddu.de, www.facebook.com/dorfunddu/ und bei Otfried Herling, Stadt Butzbach (Tel.: 06033-995124) oder Kerstin Quaiser, Stadt Butzbach (Tel.:06033-995121) und info@dorfunddu.de.