27.03.2020

Stellenausschreibung: Stadtarchivar (m/w/d)

Die Stadt Butzbach sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen

Stadtarchivar (m/w/d)

Es handelt sich um eine unbefristete Vollzeitstelle.

Das Stadtarchiv Butzbach als das „Gedächtnis der Stadt“ sichert das schriftliche kulturelle Erbe – analog und digital- der Stadt und steht als zentrale Anlaufstelle für sämtliche Fragen zur Stadtgeschichte historisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Fachleuten und Wissenschaftlern zur Verfügung. Zudem leistet das Stadtarchiv als Institution der Erforschung und Vermittlung von (Stadt-) Geschichte mit Publikationen, Veranstaltungen und Präsentationen einen wichtigen Beitrag zur historischen Bildungsarbeit und zur Erinnerungskultur in Butzbach.

Im Stadtarchiv werden Urkunden, Chroniken, Amtsbücher, Akten und vieles andere mehr, aus der Zeit vom 14. Jahrhundert bis heute, aufbewahrt. Die Archivgeschichte geht ebenso bis ins Mittelalter zurück! Die Archivalien dokumentieren in erster Linie die Tätigkeit des Rats und der Verwaltung der Stadt und der ausführenden Organe der heute zur Stadt Butzbach gehörigen ehemals selbständigen Gemeinden. Damit verkörpern diese Dokumente auch gleichzeitig einen wichtigen Bestandteil der Geschichte der Stadt Butzbach. Als städtische Facheinrichtung ist das Stadtarchiv, zur gleichen Zeit auch für alle Fragen des kommunalen Archivwesens zuständig und somit auch Endarchiv für das auf Dauer aufzuhebende Schriftgut aller städtischen Ämter, Fachdienste und Einrichtungen. Das Stadtarchiv kann auf Grund von schriftlichen Verträgen und letztwilligen Verfügungen und in Zusammenhang mit der Erweiterung der umfangreichen themenbezogenen Sammlungen auch privates Archivgut archivieren.

Die Aufgaben des Stadtarchivs heute sind also vielgestaltig. Das Stadtarchiv Butzbach gehört zu den zwanzig bedeutendsten kommunalen Archiven in Hessen und sicherlich auch aufgrund seiner partiellen Dichte und Vollständigkeit sowie der vorhandenen Sammlungen zu den vielseitig sehr geschätzten Stadtarchiven unseres Landes.  Das Stadtarchiv fungiert darüber hinaus als Kompetenzzentrum für die stadt- und regionalgeschichtliche Forschung sowie zu den Freiheitsbewegungen von Vormärz und 1848/1849.  Das angeschlossene „kleine“ Friedrich-Ludwig-Weidig-Forschungsarchiv beherbergt Archivdokumente und vielfach einmalige oder ausgesprochen seltene Bibliothekarien vor allem aus dem bzw. zum 19. Jahrhundert mit dem Schwerpunkt Vormärz und Revolution 1848. Die umfangreichen Bestände des Stadtarchivs, in zwei Gebäuden untergebracht, zu denen auch die Gemeindearchive der 13 Stadtteile gehören, umfassen ca. 2000 laufende Meter, sie gehen in ihren älteren Teilen bis ins 14. Jahrhundert zurück (hier v.a. erwähnenswert die fast lückenlos ab 1370/1371 erhaltenen städtischen Hauptrechnungen). Die Bestände des Stadtarchivs Butzbach reichen in Einzelstücken (v.a. Urkunden ab 1344) und in der seriellen Quelle der Stadt- oder Bürgermeisterrechnungen (ab 1371) bis ins Mittelalter zurück. Im Vergleich zu vielen anderen städtischen Archiven kleinerer und mittlerer Städte ist die spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Archivüberlieferung für Butzbach relativ gut. Eine dichtere Überlieferung beginnt ab dem 16. und 17. Jahrhundert. Aufgrund ihrer Geschlossenheit sind die 1371 einsetzenden Butzbacher Stadtrechnungen ein ganz besonders wertvoller Bestand, weshalb die Rechnungen von 1371 bis 1806 vor kurzem sicherheitshalber im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden digitalisiert worden sind. Diese Digitalisate sind im Auftrag der Bundesregierung als „bedeutender Bestandteil der deutschen Vergangenheit und Kultur“ in Stollen eines sicheren Archivbergwerks im Schwarzwald eingelagert worden. Etwa bei der Hälfte der Bestände handelt es sich um moderne Archivüberlieferung. Dem Archiv angegliedert sind weitere ergänzende Sammlungen (Bildarchiv, Zeitgeschichtliche Sammlung und die ca. 18.000 Bände umfassende Dienstbibliothek).

Unter anderem finden sich hier auch ein Großteil der seit 1834 bzw. 1848 erschienenen Wetterauer und Butzbacher Zeitung und ihrer Vorläufer. An Archivverlusten (der NS-Zeit) ist v.a. die Aktenüberlieferung der 1848 neu gegründeten Israelitischen Gemeinde zu beklagen und am Ende des 2. Weltkrieges (1945) die Vernichtung der meisten in unmittelbarem Zugriff der Verwaltungsstellen befindlichen Handakten (ab 1933). Zum Archiv gehören auch Nachlässe einiger Bürger und der Nachlass des KZ-Überlebenden Hermann Reineck mit wichtigen Originaldokumenten zu Auschwitz und dem Terror-system deutscher Konzentrationslager. Im Weidig-Forschungsarchiv werden neben den Materialsammlungen zu dem bedeutenden Politiker, Theologen, Pädagogen und Turner Dr. Friedrich Ludwig Weidig auch kostbare Einzeldokumente zu diesem, seiner Epoche und zu seinem Schüler- und Mitarbeiterkreis aufbewahrt Dazu gehört eine große Fachbibliothek und eine umfangreiche Sammlung politischer Druckgraphik des Vormärz und der Revolution von 1848 (Sammlung A. W. Heil), ebenso ein bedeutender Teil des Nachlasses der Butzbacher Handwerkerfamilie Braubach.  Heute umfassen die Bestände im Stadtarchivgebäude Färbgasse 16 ca. 1.000 Regalmeter (mit Bibliothekarien). Der außerhalb davon aufbewahrte, zum geringeren Teil noch ungeordnete Bestand der Gemeinde- bzw. Stadtteilarchive und zahlreiche Altakten der Verwaltung sind in dem seit 2013/2014 neu aufgebauten „Zwischenarchiv“ als Zentralaktenmagazin zusammengeführt worden. Dieser Bestand dürfte insgesamt die gleiche Größe besitzen wie das in den Räumlichkeiten des 1993 bezogenen Museums- und Archivneubaues in der Färbgasse 16 – das umfangreiche Archiv der städtischen Bauverwaltung sind in Teilen seit 2014 zur Übergabe an die Stadt Butzbach vorbereitet worden. Die wertvolle Registratur des Sanierungsbüros Butzbach der Nassauischen Heimstätte als langjähriger Treuhänder der Stadt in Sachen Altstadtsanierung Butzbach wurde vor zwei Jahren in das Zentralaktenmagazin als geschlossener Bestand übernommen.  Im Zentralaktenmagazin werden zurzeit immerhin knapp 800 m lfd. Regalmeter Akten/Archivalien aufbewahrt (darunter sind etwa die Hälfte die die Stadtteile betreffenden Archivbestände).

Abteilungen

  • 1. Historisches Archiv ca. 1344 bis ca. 1925 („Altes Archiv“)
  • 2. Aktenarchiv ab ca. 1925 („Neues Archiv“)
  • 3. Aktenarchiv ab ca. (1945/) 1970 (auch als Zwischenarchiv dienend, Aufbau in Vorbereitung)
  • 4. Urkundenabteilung (ab 1344)
  • 5. Archive der Stadtteile 5-1 Bo – Bodenrod 5-2 EG – Ebersgöns 5-3 Fb – Fauerbach v.d.H. 5-4 Gr – Griedel 5-5 Ha – Hausen-Oes 5-6 HW – Hoch-Weisel 5-7 KG-1 – Kirch-Göns  5-7 KG-2 – Kirch-Göns  (Akten-Nachträge ab ca. 1945) 5-8 Mb-1 – Maibach 5-8 Mb-2 – Maibach  (mit Archivnachträgen nach umfangreichem Altaktenfund) 5-8 Mb-3 – Maibach  (Akten-Nachträge ab ca. 1945)
    5-9 Mü     – Münster 5-10 NW-1 – Nieder-Weisel  5-10 NW-2 – Nieder-Weisel  (Akten-Nachträge ab ca. 1945)  5-11 Os-1 – Ostheim 5-11 Os-2 – Ostheim  (Akten-Nachträge ab ca. 1945)  5-12 PG 1 – Pohl-Göns   5-12 PG-2 – Pohl-Göns (Akten-Nachträge ab ca. 1945) 5-13 Wi – Wiesental  5-14 Ph – Philippseck (kurzzeitig bestehende Großgemeinde)
  • 6. Karten und Pläne (Abt. K)
  • 7. Nichtstädtische Provenienzen (u.a. Nachlässe, Nachlass-Splitter, Firmenarchive)
  • 8. Sammlungen und Dokumentationen: Weidig-Forschungsarchiv mit der bedeutenden Sammlung A. W. Heil (dabei Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt Vormärz und Revolution 1848/1849, u.a. sehr seltene Zeitungen des 19. Jahrhunderts; wertvolle Sammlung politischer Druckgraphik v.a. zur Revolution von 1848/1849, etwa 1.000 Graphiken; dabei Familien- und Firmenarchiv Braubach des 19./20. Jahrhunderts u.a. mit großer Briefesammlung zum Vormärz, dabei ein Originalbrief Georg Büchners an Wilhelm Braubach, Judaica (Sammlung zur Geschichte der Juden in der nördlichen Wetterau), Bildarchiv, Bildträger/Tonträger [BT/TT] (ca. 22.500 Bildträger (inkl. Negative und ca. 12.000 Dias) , Zeitgeschichtliche Sammlung (u.a. mit Drucksachensammlung; ca. 80 lfm – insbesondere Presseausschnittsammlung), Plakatsammlung (etwa 1.000 Plakate), Urkundenstücke und Dokumente usw.  Das Bildarchiv des Stadtarchiv Butzbach umfasst abertausende Bildträger, ist auch zum Teil digitalisiert und ist ein unendlich „tiefgehender“ möglicher Ausgangspunkt für Recherchen verschiedenster Art.
  • 9 .Bibliothek (insgesamt ca. 16.000 Druckschriften, ca. 140 lfm inklusive der ca. 2.200 Bibliothekarien des Weidig-Forschungsarchivs).

Sowohl im Stadtarchiv Färbgasse 16 als auch im Zentralaktenmagazin werden Archivbenutzer in einem Benutzerraum bedient. Eine Präsenzbibliothek mit den wichtigsten Hilfsmitteln befindet sich im Benutzerraum des Stadtarchivs Färbgasse 16.

Das Aufgabengebiet umfasst insbesondere:

  • Leitung des Stadtarchivs mit Planung, Durchführung und Kontrolle aller archivfachlichen Aufgaben; Dienst- und Fachaufsicht über die weiteren Mitarbeiter des Stadtarchivs
  • Bewertung, Übernahme, Sicherung, Erschließung und Verzeichnung von analogen und digitalen Unterlagen der Stadtverwaltung und weiteren Provenienzen
  • Schriftliche, telefonische und persönliche Betreuung und Beratung der internen und externen Archivnutzern
  • Stadt- und regionalgeschichtliche Recherchen und historische Bildungsarbeit in Verbindung mit dem Museum und dort möglichen Veranstaltungen
  • Recherchen und Forschung zum Thema Vormärz und Revolution 1848/1849
  • Öffentlichkeitsarbeit sowie Kooperation mit dem Museum der Stadt und weiteren Kultur- und Bildungseinrichtungen
  • verantwortliche Mitwirkung an der Erstellung eines IT-Rahmenkonzepts für die elektronische Langzeitarchivierung sowie an der Implementierung einer technischen Infrastruktur zur elektronischen Langzeitarchivierung
  • Planung und Umsetzung von Maßnahmen der Bestandserhaltung (Optimierung der Magazinsituation, Schutzdigitalisierung, Vorbereitung und Durchführung von Drittmittelprojekten etc.)
  • Mitwirkung an der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit des Stadtarchivs (Internetauftritt, Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen, archivpädagogische Angebote etc.)

Unsere Erwartung an Sie:

  • abgeschlossenes Fach- bzw. Hochschulstudium für den gehobenen bzw. höheren Archivdienst (Diplom-Archivar/in, Archivschule Marburg) oder vergleichbarer Bachelorabschluss Archivwissenschaft (FH Potsdam) oder abgeschlossenes Hochschulstudium im Fach Geschichte mit langjähriger, nachgewiesener berufspraktischer Tätigkeit im Archivwesen
  • Kenntnisse im Bereich Bestandserhaltung
  • Kenntnisse im Bereich Schriftgutverwaltung
  • Kenntnisse im Bereich elektronische Langzeitarchivierung
  • Sicherheit im Umgang mit Handschriften des 14. bis 21. Jahrhunderts
  • Berufserfahrung in einem kommunalen Archiv
  • Interesse für die Stadt Butzbach, ihre 13 Stadtteile und ihre Geschichte
  • Sicherheit im Umgang mit IT-Standardsoftware (MS-Office), der erst geplanten EDV-gestützten Erschließung sowie digitalen Medien und Technologien
  • nachgewiesene Erfahrung in der Verfassung und Veröffentlichung von Texten zu historischen Themenstellungen
  • gute schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit
  • gute konzeptionelle und organisatorische Fähigkeiten
  • Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Flexibilität und hohes Engagement
  • gute Kommunikationsfähigkeit, ausgeprägte Serviceorientierung und Fähigkeit zur Teamarbeit

Wir bieten Ihnen:

  • einen sehr interessanten und herausfordernden Arbeitsplatz
  • flexible Arbeitszeiten
  • Jahressonderzahlung und Leistungsentgelt
  • für den öffentlichen Dienst übliche betriebliche Altersvorsorge
  • sichere Perspektive in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis im öffentlichen Dienst

Das Arbeitsverhältnis und die Vergütung richten sich nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.

Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Lichtbild, Zeugnisse) senden Sie bitte spätestens bis zum ­­­­­16.04.2020 an den Magistrat der Stadt Butzbach,

Personalservice, Marktplatz 1, 35510 Butzbach oder per E-Mail an:

magistrat@stadt-butzbach.de

Um eine zügige Bearbeitung zu gewährleisten, bitten wir, bei elektronischer Bewerbung um die Zusendung Ihrer Unterlagen im „PDF-Format“.

Für telefonische Rückfragen steht Ihnen Herr Helmut Spieß (Fachbereichsleiter, Tel.-Nr. 06033 – 995132) zur Verfügung.

Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihre Bewerbungsunterlagen nicht zurücksenden, es sei denn, Sie legen einen selbst adressierten und frankierten Briefumschlag bei.