22.02.2019

Kranzniederlegung und Gedenken am Weidigstein auf dem Schrenzer

Dr. Friedrich Ludwig Weidig, geboren am 15. Februar 1791 in Oberkleen, verstorben im Darmstädter Arresthaus am 23. Februar 1837, der „Namenspatron“ von Butzbach, wurde an seinem Todestag mit einer Kranzniederlegung am Weidig-Gedenkstein auf dem Schrenzer bei Butzbach gedacht.

Am Geburtstag des „großen Sohnes unserer Stadt“ wurde ein Kranz niedergelegt, die Widmungsschleife in „Weidigs Farben“ Schwarz-Rot-Gold gehalten. Schwarz-Rot-Gold sind die bereits in der Zeit des Vormärz bekannten Erkennungsfarben der oppostionellen demokratischen Bewegung, die zum ersten Mal von der ersten deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche als Reichsfarben der deutschen Reichsflagge einmütig bestimmt wurden.

Bekanntlich durfte der Name des schmählich im Gefängnis zu Tode gekommenen langjährigen Butzbacher Lehrers, zuletzt Pfarrers von Obergleen, nach dessen Tod 1837 über viele Jahre bei Strafe nicht mehr offen genannt werden. Weidig konnte seine Verwicklung in die revolutionäre Oberhessische Widerstandsbewegung, v.a. wegen des Verfassens und Verbreitens verbotener politischer Schriften (besonders auch des mit Georg Büchner verfassten und herausgegebenen „Hessischen Landboten“) nachgewiesen werden. Weidig wurde verfemt, wer gegen das Verbot der hessischen Behörden verstieß, musste mit scharfen Sanktionierungen rechnen.

Erst nach dem Erwirken der Freiheiten der deutschen Märzevolution 1848 – vor 161 Jahren – (u.a. Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit) durfte Weidigs Namen offen genannt werden. Die Erinnerung an seine großen Verdienste und seinen schmachvollen Tod (Vorwurf, dass er ermordet wurde) konnten jetzt besonders in Butzbach gepflegt werden. 1849 – vor 160 Jahren – wurde auf dem Schrenzer, Weidigs Lieblingsplatz in der freien Natur, zur „Erinnerung an den Märtyrer der Freiheit Friedrich Ludwig Weidig“ ein „Ehrenhain“ eingeweiht. Hier hatte Weidig um 1814 auch den ersten Turnplatz in Hessen eingerichtet.

Der Weidighain bestand aus vier Eichen an den Eckpunkten und schnell wachsenden Fichten, die im Namenszug WEIDIG angepflanzt wurden. Der Hain ist heute wohl bis auf zwei die Ecken markierende Eichen verschwunden. 1928, vor 90 Jahren, wurde auf dem Schrenzer auf einem Geländevorsprung, vom sozialdemokratisch unterstützen Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“ ein „republikanisches Denkmal“ erbaut. Es zeigte neben einem Flachrelief mit dem Bildnis Weidigs auch Porträts des Reichspräsidenten Friedrich Ebert, des Außenministers Walter Rathenau, des Finanzministers Matthias Erzberger, drei führenden demokratischen Politiker der Weimarer Republik. Bereits unmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis, kurz vor dem 10. April 1933, wurde dieses Denkmal aufgrund der Forderung der neuen Machthaber, gesprengt. Als Ersatz für dieses Weidigdenkmal wurde 1937 der bis heute vorhandene Weidig-Stein gesetzt.

Der Weidigstein auf dem Schrenzer ist für Butzbach die angemessene Erinnerungsstätte für den großen Sohn unserer Stadt.